Sonnenfinsternis in den USA 2017

SoFi 2017 mit Diamantring
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Sonnenfinsternis in den USA 2017


Am 11. August machte sich eine kleine Gruppe aus Wührden auf den weiten Weg in die USA, um die aus Sicht der Amerikaner im Vorfeld beworbene Jahrhundertsonnenfinsternis anzusehen. Zwar besaß sie bei weitem nicht die längste Totalität mit 2:40 min, aber es war die erste Totale Sonnenfinsternis in den USA seit 99 Jahren, weshalb man die Bezeichnung nachvollziehen konnte. Zudem strömten so viele Touristen wie noch nie zur SoFi in die USA - es kursierten Zahlen im Millionenbereich - weshalb man auch von der Meistfotografierten ausging. Außerdem versuchte die USA dieses Ereignis auch wissenschatlich zu verwerten, weshalb entlang der Zentrallinie Wetterballons gestartet wurden, um der Totalität zu folgen, sowie Fotoequipment an Hobbyastronomen verteilt wurde, um diverse Aufnahmen anzufertigen und später auswerten zu können. Im Fernsehen gab es einen eigenen Kanal, der den ganzen Tag über das Ereignis berichtet und auch die Nachberichterstattung war umfangreich. Auch das Wetter blieb spannend, da über Casper und Umgebung bisher Wolken angekündigt waren.

Für uns hieß es allerdings am 21. August erst einmal die Zentrallinie überhaupt zu erreichen, denn wir hatten von Hotsprings noch einige Meilen zu fahren. Von Denver aus waren laut Verkehrsmeldungen 600.000 Autos auf der Straße und blockierten sich gegenseitig. Wir kamen allerdings glücklicherweise aus dem Norden und hatten hier eine geringere Bevölkerungsdichte, denn nicht nur die Touristen wollten die SoFi sehen, auch diverse Amerikaner waren auf der Straße. Zuerst kamen wir auch gut voran, bis wir in der Nähe von Lusk in einen Stau gerieten. Zusätzlich wurden immer mehr Parkplätze von Beobachtern blockiert, obwohl wir uns noch gar nicht im Kernschatten befanden. Die werden ganz schön enttäuscht sein oder wir, dachten wir, wenn wir nicht rechtzeitig durchkommen. Doch nach Lusk entspannte sich der Verkehr komplett, so dass wir gut nach Douglas durchkamen - unserem eigentlichen Ziel. Dort angekommen suchten wir uns eine kleine Parkanlage am Fluß, da die Hauptbeobachtungsplätze relativ leer waren und zusätzliche Parkgebühren kosteten.Und auch das Wetter liess uns nicht im Stich: ein absolut blauer Himmel lud uns ein, die SoFi ohne Beeinträchtigung beobachten zu können.

Um 10:15 Uhr hatten wir alles aufgebaut, so dass um 10:24 Uhr die SoFi pünktlich beginnen konnte. Wir waren alle mit SoFi-Brillen, Ferngläsern mit Sonnenfolie und Kameras bewaffnet. Kaum war alles justiert, knabberte der Mond die Sonne bereits an - das war vielleicht Timing! Während die erste Phase noch Routine war, kam es bei der kurzen Totalittät auf jeden Handgriff an. Wir wollten diese Phase gerne visuell und fotografisch beobachten, was das Zeitfenster noch einmal einschränkte. Während Alexander aus der Hand mit seiner Kamera immer wieder Fotos schoss, hatte ich das Equipment auf meinem Stativ mit der AstroTrac nachgeführt. Als der Mond die Sonne komplett verdeckte wurden die Filter weggerissen und die Aufnahmeparameter neu justiert. Während bei Alexander am Anfang Probleme durch die manuelle Belichtung vorhanden waren, hatte ich diese am Ende der Totalität, da ich auch eine automatische Belichtungsreihe versuchte. So ergänzten wir uns beide ungewollt ganz gut. Zusätzlich wurde auch noch mit bloßem Auge und mit dem Canon-Fernglas mit Bildstabilisator beobachtet. Es konnte daher nicht alles klappen. 

Der Anblick war aber überwältigend und entschädigte für die lange Vorbereitungsphase. Die Sonne konnte während der Totalität ohne Schutz angesehen werden, die Umgebung war relativ dunkel und ein Lichtkranz erstrahlte um die dunkle Sonne. Der Anblick wirkte noch einmal ergreifender durch das Fernglas. Sah man vorher bereits die Sonnenflecken extrem gut, die trotz Minimum auf der Sonne vorhanden waren, konnte man nun die Korona genießen. Ich hätte mir dieses Naturschauspiel stundenlang ansehen können, aber leider waren die Minuten viel zu schnell um. Also musste wieder auf Filter umgesetzt werden. Wir ließen die Minuten langsam mit den abschließenden Fotos ausklingen und wurden immer wieder von Amerikanern angesprochen, denen wir unsere Bilder gerne zeigten. Erschlagen von dem Erlebnis fuhren wir weiter zu unserem nächsten Motel-Ort Cody, der Stadt von Buffalo Bill, nahe des Yellowstone-Parks, in dem noch weitere spannende Tage und Nächte auf uns warteten. Doch darüber werden wir in der nächsten HiPo-Ausgabe berichten. 

Die Aufnahmen wurden mit unterschiedlichen Kameras gewonnen: mit einer Canon-Spiegelreflex-  und einer Olympus-Systemkamera, mit den jeweiligen Brennweiten 400 und 300 mm. Während die Canon nachgeführt wurde, sind die Aufnahmen der Olympus aus der Hand heraus aufgenommen worden. Als Filter kam jeweils der HMC-NDX400 von Hoya zum Einsatz. Zur Nachführung wurde die AstroTrac TT320X-AG eingesetzt. 

© Fotos: Alexander Alin (erstes Bild) und Dr. Kai-Oliver Detken (Detailbild), beide AVL

Text: Dr. Kai-Oliver Detken (AVL)