AVL-Nacht der Teleskope auf dem Weyerberg am 03.10.2014

Der Sternenhimmel über Worpswede, AVL-Nacht der Teleskope auf dem Weyerberg

Unter diesem Titel planten wir im AVL-Vorstand bereits im Frühjahr 2014 eine Außenveranstaltung im Rahmen der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Jubiläum der Künstlerkolonie in Worpswede. Zwar gab es bereits in den Anfängen der AVL einen Beobachtungsabend in Worpswede, seit dem aber nicht mehr. Seit 12 Jahren stand auf dem Weyerberg kein AVL-Teleskop mehr. Das Worpsweder Jubiläumsjahr bot sich also an, dort einmal wieder etwas mit unseren Geräten zu unternehmen und der Öffentlichkeit zu zeigen, für was die AVL steht.

Es sollte also auf den Weyerberg nach Worpswede gehen. Der Termin dazu war schnell gefunden. Im Herbst sind die Abende und Nächte noch einigermaßen warm und dennoch wird es schon merklich früher dunkel. Wir entschieden uns für den 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit. Ernst-Jürgen Stracke hatte sich bereits frühzeitig mit der Gemeinde Worpswede in Verbindung gesetzt und die Erlaubnis eingeholt, dort, oberhalb des Wasserhochbehälters, unsere Geräte aufstellen zu dürfen. Man war sogar ganz begeistert davon, dass wir mit unserer Aktion das Jubiläumsjahr bereichern würden. Nur mit unseren Fahrzeugen sollten wir die kleine Erhebung oberhalb des Wasserhochbehälters nicht befahren. Bis zum Fuß des Wasserbehälters, der eigentlich auch nicht zu Befahren erlaubt ist, durften wir dann aber doch. Noch vor der Urlaubszeit kam die Idee auf, den originalgetreuen Nachbau eines 7-füßigen Herschel-Spiegelteleskops mit auf den Weyerberg zu befördern, das als Ausstellungsstück in der Sparkasse Lilienthal seinen Platz gefunden hatte. Das Original, das Johann Gottlieb Schrader gebaut hatte, wurde übrigens im Jahr 1813 auf die Initiative von Johann Wolfgang von Goethe hin, an die neu gegründete Sternwarte in Jena gelieferten. Den Nachbau dieses Gerätes wollten wir also mit auf den Weyerberg nehmen. Ute erklärte sich bereit, die Organisation zu übernehmen.

Ernst-Jürgen Stracke hatte die gesamte Koordination und Organisation der Teilnehmer mit ihren Geräten übernommen. Ute hatte wie gewohnt für die Mitteilungen an die Öffentlichkeit gesorgt. Was würden wir aber bei schlechtem Wetter machen? Auf unserem Vereinsgelände konnten wir bei ähnlichen Unternehmungen stets auf den Vereinsraum zurückgreifen und Besuchern mit einem Vortrag zu Themen der Saison einen Ersatz liefern. Hier würde das nicht möglich sein und der Termin würde entfallen müssen. Auch hierzu hatte Ernst-Jürgen eine Idee. Als Worpsweder nutzte er seine Verbindungen zu den Verantwortlichen des Fremdenverkehrsamts. Hierbei wurde es nun aber holprig. Ja, die Nutzung eines Raums wäre möglich, aber nur gegen Bezahlung. Ich muss sagen, dass diese Haltung in unserem AVL-Vorstand doch etwas Verwunderung hervorrief und wir entschieden uns, auf diese Ausweichmöglichkeit zu verzichten. 

Der Tag rückte näher - so langsam sollte nun auch die Presse aktiv werden. Eine Woche zuvor erschien auch eine Mitteilung dazu in der Wümmezeitung - und das war's. Wenn da nicht noch etwas mehr kommt, vor allem unmittelbar vor dem Termin, wer würde sich dann auf den Weyerberg begeben? In einem Telefonat mit Ute sagte sie mir, dass es tatsächlich keine weitere Mitteilung in der Presse gab und dass am 3. Zahlreiche andere Veranstaltungen stattfinden würden. Na, was das wohl werden würde? Inzwischen hatte sich Hans-Joachim Leue bereiterklärt, den Auf- und Abbau des Schrader-Nachbaus zu übernehmen. Mit dem Transporter von Lothar Rieke, den Lothar zur Verfügung stellte, sollte das sperrige Instrument transportiert werden.

Der 3. Oktober startete tatsächlich mit Sonne. Und schon am Nachmittag hatte man das Gefühl, dass sich das Wetter halten würde. Meine Frau und ich machten nachmittags noch einen Spaziergang zum Wasserbehälter auf dem Weyerberg - das Wetter war ja nun wirklich einladend. Und schon am späten Nachmittag zeigte sich der zunehmende Mond im Südosten, der für die hoffentlich doch noch erscheinenden Besucher auch eine Attraktion im Fernrohr sein könnte. Wieder Zuhause angekommen, wurde es nun Zeit meine eigene mobile Ausrüstung zu packen und ins Auto zu verfrachten.

Von Zuhause aus sind es nur ca. sieben km, bis zur Kuppe des Weyerbergs. Dort angekommen waren schon die ersten Akteure mit dem Aufbau ihrer Geräte beschäftigt. Unser Vereinsmitglied Rainer Schmegel hatte Christian Harder aus Fintel bei Rotenburg informiert, der seinen restaurierten 11cm f/14 Refraktor mitbrachte - ein eindrucksvolles Instrument. Ein weiterer Bekannter von Rainer baute seinen selbst gebauten Schiefspiegler auf und sorgte damit für eine weitere Attraktion. Und nun rollte der kleine Tross von Fahrzeugen an, der den Nachbau des Schraderschen 7-füßers transportierte - angeführt von Ute, die den Transporter von Lothar Rieke fuhr. Es sollte unsere erste Aktion werden, diesen Nachbau auf den Berg zu schaffen und auf einer ebenen Unterlage aufzubauen. Hans-Joachim hatte die Arbeiten aber schon des Öfteren erledigt und kannte die kleinen Tücken, die sich bei diesem Gerät zwangsläufig ergeben. Nun konnten auch alle anderen mit ihren Geräten einen Platz einnehmen, der einerseits Bewegungsfreiheit erlaubte und auch den hoffentlich erscheinenden Besuchern einen Blick zum nun langsam dämmernden Himmel ermöglichen sollte. Langsam füllte sich der Platz, der auch von Worpswedern und Worpswede-Besuchern gerne für einen Rundgang aus dem Künstlerdorf heraus genutzt wurde. So kam es, dass auch der eine oder andere, der gar nichts von dieser Aktion wusste, zumindest zeitweise interessiert für eine Weile bei uns blieb.

Jetzt konnte ich auch mein eigenes Gerät aufstellen. Der gute alte 80ED auf der kleinen GP-Montierung war aber schnell positioniert und ausgerichtet. Leider hatte ich es versäumt, eine Stromversorgung mitzunehmen, so dass die kleine Optik von Hand weitergeführt werden musste. Aber bei der eingestellten moderaten Vergrößerung würde das kein Problem ergeben. Es gab genug Alternativen bei den "Kollegen" mit ihren deutlich größeren Optiken. So war es ein großer Gewinn, dass Kai-Oliver Detken sein 200 mm SC mit Computer-Steuerung mitgebracht hatte. Besonders erfreulich war, dass auch bei diesem Außeneinsatz Friedo Knobloch mit seinem hervorragenden Vixen APO teilnahm. Sein Fachwissen und das sehr sauber abbildende Gerät machten ihn zu einer wichtigen Station im Reigen der verschiedenen Fernrohre.

Die Vielfalt an Geräten war sehr erfreulich: Da war der futuristisch anmutende Schiefspiegler, Christian Harders großer Refraktor und Kai mit seinem 8-zölligen Schmidt-Cassegrain. Friedo mit seinem APO, Holger Rentzow brachte seinen 10-zölligen Dobson und sein Großfernglas mit und Ute hatte wie immer ihr großes Fernglas dabei, das auf einem Stativ immer eine Bereicherung darstellt. 

Inzwischen kamen die ersten Besucher. Fragen mussten beantwortet werden und das Gesehene im Okular interpretiert werden. In der Dämmerung war es zunächst der Mond, der als erstes Objekt zur Beobachtung herhalten musste - wir hatten diesen Termin schließlich nicht zufällig auf den 3. Oktober gelegt. Und als es nun allmählich dunkler wurde, wagte ich schon mal, meinen kleinen 80ED auf die Andromeda-Galaxie zu richten. Ja, es war nur der gewohnt schwache, strukturlose Wattebausch, der im Okular erschien. Mit den Erklärungen zur Entfernung und den dazugehörigen Tatsachen, wurde aber auch für unsere Besucher dieses schwache Etwas zu einem Objekt, das plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekam. Wann bekommt man als Ungeübter schon mal einen Blick auf eine Welteninsel weit außerhalb unserer Milchstraße geboten? Als Nächster stellte nun auch Kai M31, die Andromeda-Galaxie, in seinem 8-zöller ein. Und hier war der Anblick ungleich imposanter. Für die zahlreichen Kinder musste ich das Stativ etwas tiefer stellen, so dass auch sie das Okular erreichen konnten.

Während ich zwischen meinen Erklärungen einmal in die Runde blickte, merkte ich erst, dass sich die Bergkuppe des Weyerbergs mit Menschen dicht angefüllt hatte. Überall wurden nun Fragen gestellt, musste Erklärungen gegeben werden, und wurden eigene Erfahrungen mit anderen ausgetauscht. Weitere Objekte des tiefen Himmels konnten jetzt, bei fortschreitender Dunkelheit, in den verschiedenen Optiken angefahren werden. Bei guter Sicht in der trockenen Luft störte der Mond weniger als befürchtet, sorgte aber für eine angenehme Grundbeleuchtung.  Der immer eindrucksvolle Kugelsternhaufen Messier 13, der gar nicht so einfach zu finden war, konnte gezeigt werden. Denn bei Mondlicht findet man das Sternbild des Herkules nicht so einfach. Der Doppelsternhaufen h+chi im Perseus dagegen erschien schnell in der Optik - was für ein Anblick in Holgers 10-zölligem Dobson. Friedo stellte Uranus, den fernen Gasriesen ein, der zwar strukturlos, aber deutlich in seiner bläulichen Farbe erschien. Und als die Winterboten, die Plejaden, am Horizont emporwanderten, wurde uns allen klar, welches Glück wir mit dieser Aktion gehabt hatten.

Noch eine ganze Weile wurden die verschiedenen Objekte angesteuert. Auch die Presse war nun mit einem Abgesandten erschienen und musste mit vielen Antworten zu dieser Aktion bedient werden. Vor allem zum Nachbau des historischen Teleskops von Schrader konnte Hans-Joachim Leue reichliche Daten liefern, die auch die geschichtliche Seite Lilienthals nicht zu kurz kommen ließ. Die Nacht schritt voran und nun lichtete sich langsam die Bergkuppe. Schon jetzt war uns klar, welches Glück wir mit dem Wetter und mit dem gesamten Verlauf dieser Aktion hatten. Schließlich waren wir, die AVL-Mitglieder, unter uns und konnten die Veranstaltung in Ruhe ausklingen lassen. Der Abbau verlief reibungslos. Auch der Nachbau des historischen Teleskops war bald wieder im Transporter verladen und wir fuhren zufrieden nach Hause.

Vermutlich werden wir nicht in jedem Jahr eine derartige Aktion auf die Beine stellen. Ich bin mir aber sicher, dass uns der Weyerberg in Worpswede wiedersehen wird.

Besonderen Dank gebührt einmal wieder den Helfern und den Akteuren, die mit ihren Geräten zu einem Gelingen der Aktion beigetragen haben. Alle Namen werde ich hier nicht nennen können. Einige wenige möchte ich aber dennoch erwähnen: Ernst-Jürgen Stracke, der die ganze Aktion koordiniert hat. Ute Spiecker, die einmal mehr für das öffentliche Interesse gesorgt hat und auch den Transport geregelt hat, ohne den der Schröter-Nachbau nicht auf den Berg gekommen wäre. Kai-Oliver Detken, der mit seinem äußerst praktischen Gerät eindrucksvolle Ansichten verschiedener Objekte am Himmel möglich machte. Jürgen Ruddek, dessen helfende Hand nicht nur bei solchen Aktionen unschätzbare Hilfe bedeutet. Hans-Joachim Leue, der mit seinem Fachwissen zum historischen 7-füßer und der Geschichte der Astronomie Lilienthals einen unschätzbaren Beitrag lieferte. Auf keinen Fall darf Friedo Knobloch vergessen werden, der immer, aber auch wirklich immer bei Außenterminen mit seinen Geräten zur Stelle ist. Ich weiß, die Aufzählung ist unvollständig, deshalb hier noch einmal der Dank des Vorstandes an alle weiteren Akteure - ohne eure Hilfe könnten wir solche Vorhaben niemals durchführen.

Wir werden diese Aktion natürlich im Vorstand noch einmal besprechen. Vor allem werden wir abwägen, wie, wann und ob es eine Fortsetzung solch einer Veranstaltung geben soll. Mit dieser sind wir aber, das kann schon jetzt gesagt werden, sehr zufrieden.

Autor: Gerald Willems

Fotos: Ernst-Jürgen Stracke, Jürgen Ruddek 

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