Europas größte Astronomie-Messe ATT in Essen - ein Rückblick

Am 25. Mai fand in Essen die jährliche ATT-Messe (http://www.att-boerse.de) statt. Sie gilt als größte Astronomie-Börse Europas und wurde nun bereits zum 29. Mal durchgeführt. Die ATT ist dabei eine Messe, die speziell für Amateurastronomen gedacht ist. Hier können sowohl die neusten Messeneuheiten der führenden Hersteller sowie auch Gebraucht- und Selbstbauinstrumente begutachtet werden. Somit wird alles rund um die Beobachtung oder die Astrofotographie gezeigt. Zusätzlich können sich die Amateure gegenseitig austauschen. Das waren gute Gründe, dass sich vier AVL-Mitglieder auch dieses Jahr auf den Weg machten, um mit den Anbietern diskutieren und evtl. das eine oder andere Highlight erwerben zu können. Letzteres sollte aber, so waren sich alle einig, wenigstens in das Auto passen, mit dem man gemeinsam unterwegs war.

Der Andrang war groß, als wir um kurz vor 10 Uhr in Essen eintrafen, wie man an den Bildern erkennen kann. Nach einer kurzen Wartezeit bei strahlendem Sonnenschein, obwohl der Wetterbericht eigentlich genau das Gegenteil angesagt hatte, ließ man uns hinein. Die ATT fand in einer Gesamtschule statt, in deren Gängen viele kleine Händler und auch Privatleute ihr Equipment anboten. Man konnte hier von einer Kopftaschenlampe bis zu einem Astro-Stuhl so gut wie alles erwerben. In der Aula der Gesamtschule hatten sich dann die Hersteller und Großhändler positioniert. Das mussten sie dort auch, weil teilweise das Equipment den Platz in den Nebengängen gesprengt hätte. Große Sternwarten-Kuppeln waren dort u.a. aufgebaut, die vollautomatisch auffuhren und mit dem Teleskop mitwanderten. So muss man keine Angst haben, dass man sein Himmelsobjekt mal verliert, nur weil man vergessen hatte die Kuppel manuell weiterzuschieben. 

Aber auch größere Montierungen wurden gezeigt und benötigten dementsprechend viel Platz. Teilweise bewegten diese sich vollautomatisch, um den Besuchern die Goto-Fertigkeit zu zeigen. Und die Größenverhältnisse wurden einem dort auch sehr anschaulich gemacht. Sieht im Katalog eine Montierung oder ein Teleskop doch immer recht handlich aus und wird oftmals als tragbar beschrieben, so konnte man sich auf der ATT verschiedene Varianten diverser Hersteller direkt ansehen und das Gewicht bei Bedarf austesten. Schließlich ist das beste Teleskop mit der entsprechenden Montierung nichts wert, wenn es aufgrund seines Gewichtes oder der Kompliziertheit der Aufstellung nie benutzt wird. Daher muss man letztendlich immer einen Kompromiss zwischen Gewicht und Nachführgenauigkeit bzw. Brennweite des Teleskops eingehen.

Ein weiterer Trend war auch, dass immer mehr Montierungen auf den Markt kommen, die sowohl azimutal als auch parallaktisch nachführen können. Im azimutalen Betrieb können sie dann zwei Teleskope schultern, während im parallaktischen Betrieb es mehr auf Genauigkeit und Ausrichtung ankommt. Hier sind die Hersteller Sky-Watcher und Meade u.a. Vorreiter.

Des Weiteren werden auch Vorträge auf der ATT angeboten, damit der Besucher auch einmal verschnaufen kann. Ein Vortrag behandelte die Astrofotographie aus Einsteigersicht. Es wurde auf das notwendige Equipment hingewiesen und das im Grunde jede Kamera und jedes Objektiv/Teleskop seinen Himmel hat. Den letztendlich kann man bereits mit Stativ und Digitalkamera loslegen. Neben Strichspuraufnahmen sind auch Milchstraßenaufnahmen mit sehr kurzen Belichtungszeiten möglich. Durch eine Reisemontierung können diese erheblich verlängert werden. Auch die diesjährige ATT hatte zwei Reisemontierungen an den Ständen: eine Vixen Polarie und eine ähnlich aufgebaute, aber wesentlich günstigere, SkyTracker von iOptron. Damit lassen sich dann schon nachgeführte Minutenaufnahmen mit einem Objektiv bis 200 mm anfertigen. Die AstroTrac war hier der Vorreiter und hat anscheinend einen regelrechten Boom ausgelöst, da immer mehr Reisemontierungen auf den Markt kommen. Ein Fazit des Vortrags war, dass man schon mit kleinem Equipment viel erreichen kann und dass man seine eigenen Aufnahmen nie mit Bildern im Internet vergleichen sollte, sondern immer nur mit früheren Eigenaufnahmen. Dadurch bleibt das Frustpotenzial klein und man erfreut sich an den eigenen Fortschritten.

Da das Wetter in der letzten Zeit hingegen genug Frustpotenzial bot, war ein Stand auf der ATT auch interessant, an dem zwei Spanier ihre Sternwarte in Spanien vorstellten. Diese war remote über ein Laptop anzusteuern, um damit dann direkt Sternenaufnahmen umzusetzen. Die Idee ist nicht neu und kann über das Internet heute weltweit genutzt werden. Man bucht beim jeweiligen Anbieter einfach seine Aufnahmestunden und ist dadurch unabhängig vom lokalen Wetter. Zusätzlich muss kein teures Equipment angeschafft werden. Allerdings kommt dann auch irgendwie kein Live-Feeling auf, weshalb dies jeder für sich abwägen muss.

Die ATT hatte viel zu bieten und so vergingen die sechs Stunden vor Ort wie im Fluge. Da wir das Championsspiel nicht verpassen wollten, machten wir uns gegen 15:30 Uhr wieder auf den Weg nach Hause. Jeder hatte eine Vielzahl von Entdeckungen gemacht, die während der Fahrt noch ausreichend diskutiert werden konnten. So ging ein Tag mit vielen Eindrücken zu Ende und die nächste ATT wurde schon mal im Kalender für das kommende Jahr vorgemerkt.

Autor und Fotos: Dr. Kai-Oliver Detken

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