Jürgen Ruddek, Bericht von der SOFI

Jürgen Ruddek, Bericht von der SOFI

Als ich 1999 erstmals eine totale Sonnenfinsternis erlebt hatte, war es für mich eine Selbstverständlichkeit, 2006 wieder mit meiner Familie direkt in die Totalzone zu fahren. Als Ziel suchte ich Side in der Südtürkei aus, weil hier nicht nur die Chance auf Wolkenfreiheit sehr hoch ist, sondern weil mir das beliebte Urlaubsziel auch für einen anschließenden Osterurlaub als geeignet erschien.


Da die Finsternis vor den Osterferien in Niedersachsen stattfand, beantragte ich rechtzeitig eine Schulbefreiung für meine beiden Kinder.


Unser ausgewähltes Hotel lag 15 km westlich von Side nur wenige km westlich der Zentrallinie in der Totalzone. So konnten wir das Ereignis direkt vom Hotelgelände aus beobachten. Wir kamen erst einen Tag vor dem Ereignis am Urlaubsort an.

Gleich nach dem Frühstück suchten wir uns auf dem Hotelgelände einen Platz in Strandnähe und machten es uns dort in Gesellschaft Gleichgesinnter gemütlich. Am Himmel waren kaum Wolken, die Sonne schien wie erwartet.


Beim ersten Kontakt zeigte mein Thermometer 22 Grad im Schatten. Neben uns hatte jemand einen Timer dabei, der regelmäßig ein Signal abgab, so dass man in gleichen Zeitabständen Fotos machen konnte. Ich hatte mein 400mm Teleobjektiv aufgebaut und alternativ ein Spektiv mit 30-facher Vergrößerung bereit liegen.


Wir hatten unsere Finsternisbrillen auf und sahen, wie sich der Mond von rechts unten nach und nach vor die Sonne schob. Kurz vor dem 2. Kontakt überprüfte ich noch einmal meine Einstellungen und wechselte die Akkus der Kameras. Als sich die Sonne plötzlich verfinsterte machte ich eine paar Serienbilder. Um uns herum war es ganz still. Der Anblick auf die verfinsterte Sonne mit der jetzt gut sichtbaren Korona war überwältigend. Es hatte sich mittlerweile auf 16 Grad abgekühlt. Die Venus leuchtete hell neben der Sonne und am Horizont wurde der Himmel rot. So hatte ich eine Sonnenfinsternis noch nie erlebt. Der Anblick des roten Horizonts in der Dämmerung fesselte mich so sehr, dass ich kaum auf die Sterne achtete. Durch mein Spektiv konnte ich deutlich Protuberanzen sehen. Meine Tochter fotografierte uns und die Umgebung. Ich machte noch ein paar Aufnahmen von der Sonne, bis es schon wieder hell wurde. Die Minuten waren wie Sekunden vergangen. Überall wurde Beifall geklatscht.


Ich öffnete eine Flasche Sekt, um auf das Ereignis mit meiner Frau anzustoßen. Noch lange nach dem 4. Kontakt blieben wir auf einer Bank sitzen. Einige Hotelgäste, die vom Strand wieder zurück kehrten, blieben noch einmal stehen und unterhielten sich mit uns. Zum Scherz verabredeten wir uns im Altai-Gebirge in der Westmongolei zur nächsten totalen Finsternis im August 2008.

Jürgen Ruddek

Erläuterungen

„Muschel-Sofi“ am Strand bei Side in der Türkei / Vor der Finsternis sind Sonnenschutzbrillen Pflicht / Um die Sonne zu fotografieren ist ein Sonnenschutzfilter erforderlich / Auf den Dünen beim Aspendos-Beach-Ressort hatte man einen herrlichen Ausblick auf das Meer / Sofi-Beobachter mit Blick über das Meer auf dem Gelände des Aspendos-Beach-Ressort / Digiscopie durch ein Spektiv nach dem ersten Kontakt der Sonne / Perlenschnur und Protuberanzen während des 2. Kontaktes / Gleich nach dem 2. Kontakt war die Sonnenkorona deutlich zu sehen / Korona und Protuberanzen / Die Korona während der Totalität / Palmen am Strand bei Side während der totalen Finsternis / Die verfinsterte Sonne stand hoch über den Palmen

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