Sonnenfinsternis auf La Réunion im indischen Ozean

Am 01. September war es mal wieder soweit: eine Sonnenfinsternis (SoFi) stand an. Dieses Mal auf einer kleinen französischen Insel. Allerdings lag diese im indischen Ozean, was mal wieder eine längere Anreise notwendig machte. Also machten sich drei AVL-Mitglieder (Alexander Alin, Marieluise Alin und meine Wenigkeit) auf den Weg, um die ringförmige SoFi zu beobachten.

Laut Wettervorhersage sollte es in Saint-Denis am Tag der SoFi gutes Wetter mit starken Windböen geben. Wir hatten für das "Fußball-Stadion" gebucht und kamen mit unseren Karten auch direkt durch die polizeilichen Absperrungen. Der ortsansässige Astronomie-Verein hat alles bestens organisiert und diverse Geräte zur Beobachtung aufgebaut. Dort wurden die Teilnehmer beraten, konnten durch diverse Teleskope die Sonne sicher beobachten oder auf einer Großleinwand das Ereignis später kommentiert mitverfolgen. An die 250 Hobbyastronomen waren zusätzlich dem Aufruf wie wir gefolgt und machten sich bereits eine Stunde vor dem Beginn daran die mitgebachten Instrumente auszurichten sowie erste Kennlerngespräche durchzuführen. Sie wurden hinter dem Fußballfeld positioniert und waren durch eine Absperrung von den später erscheinenden Zuschauermassen geschützt. Das war auch nötig, da später an die 4.000 Zuschauer sich auf dem Feld tummelten und quasi keinen Platz mehr ließen 

So konnten wir in Ruhe unser Equipment aufbauen, ausrichten und uns mit den Limburger Sternenfreunden unterhalten, die neben uns Quartier bezogen hatten. Während ich meine AstroTrac zur Nachführung nutzte und mit einem 70-200mm-Objektiv und 2fachem Telekonverter immerhin 400 mm Brennweite an meiner Kamera Canon 700D verwenden konnte, machte Alexander größtenteils bei 600 mm Brennweite (300 mm Objektiv mit 2fachem Telekonverter) seine Aufnahmen aus dem Handgelenk. Auch dies funktioniert bei Sonnenbeobachtungen, da man extrem kurz belichten muss (1/4.000 s). Dafür ist natürlich mittels CCD-/CMOS-Kamera eine bessere Auflösung hinzubekommen, als mit Einzelaufnahmen einer DSLR-Kamera. Ich fand aber so schon mein Zusatzgepäck völlig ausreichend, weshalb ich froh war, nicht noch ein Laptop mitschleppen zu müssen. 

Die SoFi war ein Großereignis des Ortes, da sogar der Bürgermeister anwesend war sowie die lokalen Fernseh- (Antenne) und Radiosender (RTL), die auch Interviews bei den Hobbyastronomen durchführten. Abends wurde das Ereignis dann in einer 30 min dauernden Sondersendung ausgestrahlt. Auf der Großleinwand konnte die SoFi die ganze Zeit über live mit verfolgt werden. Währenddessen wurde der ganze Vorgang der Sonnenfinsternis kommentiert und den Zuschauern erläutert. Dabei hatten wir ausgesprochenes Glück mit dem Wetter. Rund um uns herum hatten sich zwar Wolkentürme aufgebaut und die Berge waren zugezogen, aber der Fußballplatz war anscheinend von den Veranstaltern vorzüglich ausgesucht worden, da die Sonne bis auf eine kleine Phase immer ohne Wolken blieb. So konnten wir die SoFi in vollen Zügen genießen, obwohl wir uns nur wenig von unserem Equipment fortbewegen konnten, da immer wieder Sturmböen aufkamen. 

Während der Finsternis-Phase kam es zu einer deutlichen Veränderung des Lichtes (fahler Eindruck und dunkler) sowie einem starkem Abfall der Temperaturen. So mussten wir uns einen Pullover anziehen, da es sonst empfindlich kalt geworden wäre. Auch die schmale Sonnensichel war während der Totalität filigraner, als das noch bei meiner letzten ringförmigen SoFi in den USA im Jahr 2012 der Fall gewesen war. Zudem ging der Mondschatten nicht in einer Richtung durch die Sonne hindurch, sondern trat links unten ein und oben wieder hinaus. Die Dauer von vier Stunden hatten eine Drehung durch die Erdbewegung bewirkt. Auch dies war anders, als noch in den USA, wo der Mondschatten von rechts unten nach links oben in einer Linie verlief. 

Jede Phase (z.B. der erste Kontakt) wurde durch Kommentatoren an der Großleinwand für alle Zuschauer beschrieben und teilweise auch bejubelt. Zusätzlich wurde für alle französisch sprechenden Freunde auch Erläuterungen zu dem SoFi-Ereignis geliefert. Schade, dass man hier dem internationalen Publikum nicht wenigstens eine englische Übersetzung angeboten hatte. Denn die Hobbyastronomen kamen schließlich aus allen Teilen der Welt. Trotzdem blieb auch diese SoFi ein unvergessliches Erlebnis!  

Einen ausführlicheren Bericht, rund um die SoFi-Reise, kann man in der HiPo-Ausgabe 48 nachlesen.

Text und Bilder: Dr. Kai-Oliver Detken  

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