Die AVL-Vereinsreise 2015 führte zum Sankt Andreasberg

Die AVL-Vereinsreise stand dieses Jahr im Zeichnen der Beobachtung und Fotografie. Es wurde dafür die Sternwarte Sankt Andreasberg im Oberharz ausgesucht, die in 710 m Höhe des Meeresspiegels liegt und gebirgsähnliches Seeing bieten soll. Gleich unmittelbar daneben, liegt das Internationale Haus Sonnenberg, bei dem sich die AVL-Teilnehmer einquartiert hatten. Dadurch war man mitten im Nationalpark Harz positioniert, der neben der Sternwarte auch schöne Wanderungen oder das Wasserregal in unmittelbarer Nähe anbot. Allerdings machte uns zuerst das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung, da wir am Donnerstagabend bei strömenden Regen und Nebel ankamen. 


Am ersten Tag nach der Ankunft hielt sich das Wetter nach wie vor standhaft, was gleichzusetzen war, mit weiteren Regenfällen. Da wir aber einen Termin in Göttingen hatten, beim Max Planck Institut (MPI) für Sonnensystemforschung, spielte dies keine Rolle. Dort waren wir ja überwiegend im Gebäude und brauchten keinen Sonnenschein. um über selbige zu reden. Das MPI in Göttingen beschäftigt sich, wieder der Name schon sagt, vornehmlich mit unserem Sonnensystem. Dabei steht die Sonne, die Planeten und alle Monde unseres Sonnensystems im Vordergrund. Kometen und Asteroiden gehören ebenfalls zu den zu untersuchenden Objekten. Ziel ist es, zum einen die Vorgänge im Sonnensystem zu untersuchen und in theoretischen Modellen zu beschreiben. Dazu werden diese Vorgänge auch in Computern simuliert. Zum anderen werden aber auch wissenschaftliche Instrumente gebaut, die spezielle Körper aus dem Weltall untersuchen. Daher ist man auch an der ESA-Mission Rosetta beteiligt, die sich auf dem Weg gemacht hatte, um im Juli 2014 auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko zum ersten Mal zu landen. Das Institut enthält drei Fachabteilungen: Planeten und Kometen, Sonne und Heliosphäre sowie das Innere der Sonne und Sterne. In der Eingangshalle waren drei große Bilder angebracht, die diese drei Abteilungen widerspiegelten. Dort war auch der Nachbau der Rosetta-Sonde zu bewundern sowie die Kometennachbildung von 67P/Churyumov-Gerasimenko, auf dem die Landeeinheit Philae der Rosetta-Mission sich derzeit befindet. Den Verlauf der Landemission konnte man ebenfalls an diesem Nachbau erkennen, da die Landeversuche und der Lander selbst dort maßstabsgetreu aufgezeigt wurden. Des Weiteren durften wir beim MPI die Laborräume besuchen und nahmen viel Interessantes und Wissenswertes mit. Hierüber wird noch ausführlich in der HiPo berichtet werden.

Am Abend war das Wetter leider immer noch neblig und regnerisch, so dass wir als Ausweichtermin eine gegenseitige Vorstellung in der Sternwarte Sankt Andreasberg eingeplant hatten. So stellte uns der erste Vorsitzende Utz Schmidtko die Sternwarte ausführlich vor, die man auch unbedingt weiterempfehlen kann: verschiedene Säulen gestatten dem Hobbyastronomen eigene Montierungen und Gerätschaften dort selbst zu betreiben, inkl. entsprechender Stromversorgung. Eine eigene Kuppel mit fest verbautem Teleskop ist hingegen noch in Planung. Wir haben die AVL dort ebenfalls würdig vertreten, so dass man uns jetzt im Harz, aber auch bei den Sternfreunden Hattingen besser kennt. Der Abend endete in der gemütlichen Kellerbar bei Musik vom mitgebrachten iPod und einem gegenseitigen Austausch.

Spontan stand auch das Kloster Walkenried am nächsten Tag auf der Agenda. Hier hatte Gert Traupe ein Heimspiel, da er dort in der Vergangenheit einige Führungen und Trauungen durchgeführt hatte. Er konnte dann auch so einiges interessantes berichten. Das Kloster selbst ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und bietet eine absolut sehenswerte Ausstellung, die den dritten Preis  in einem bundesweiten Wettbewerb für Museen gewonnen hat. Im frühen 13. Jahrhundert entwickelten die Walkenrieder Mönche erste Systeme zur Wasserversorgung ihrer eigenen Teiche. Sie haben dadurch die Oberharzer Wasserwirtschaft mitbegründet. Aber auch in der Architektur waren die damaligen Mönche führend. So weist das Kloster eine bauliche Sonderform auf, da der nördliche Flügel des Kreuzgangs zweischiffig ist. Dadurch wird mehr Licht in die Hallen gelassen, so dass sie einen freundlichen und warmen Charakter erhalten. Der Mönchsorden der Zisterzienser besiedelte damals in einem dichten Netz ganz Europa und wurde wie ein richtiges Unternehmen geführt. Die Bauernkriege machten dem im Jahr 1525 ein Ende, nachdem ca. 800 Bauern das Kloster verwüsteten. Die Ruinen wurden nie wieder aufgebaut.

Samstagnachmittag ging es dann zur Grube Samson und zum Oberharzer Wasserregal. Ebenfalls beide unter dem UNESCO-Weltkulturerbe stehend. Die Grube Samson wurde bereits 1537 eröffnet und gehörte während ihrer Betriebszeit bis 1910 zu den tiefsten Bergwerken der Welt. Wir wurden von einem sehr kundigen Förster durch die Grube geführt, der aus der Region kam und sehr lebendig und authentisch uns über die Geschichte der Bergleute berichtete. So lernten wir alle Perioden des Bergbaus im Harz kennen, die zum Teil gute Ausbeute, aber auch den kompletten Stillstand des Bergbaus beinhaltete. Da hauptsächlich Silber abgebaut wurde, ging es den Hüttenbesitzern meistens nicht schlecht, was sich aber nicht unbedingt auf die Bergmänner auswirkte. So wurde die Region letztendlich, wie heutige Entwicklungsländer, ausgebeutet und nachdem die Rohstoffe abgebaut waren, wieder ohne Wiederaufbau der Region verlassen. Nachhaltigkeit spielte damals noch keine große Rolle, weshalb der Harz teilweise ohne Baumbestand auskommen musste, da alles für den Bergbau abgeholzt wurde. 

Ein besonderes Highlight der Besichtigung war allerdings die sog. Fahrkunst, die zur Fahrt in einem Bergschacht verwendet wurde. Ein von Wasserkraft drehendes Wasserrad trieb dabei zwei Stangen an, die durch eine Art Wippe zwei lange Stangen mit leiterähnlicher Vorrichtung im Bergschacht hoch und runter bewegten. Der Bergmann stand dabei auf einem schmalen Brett und musste immer zwischen den Stangen hin- und herspringen, um nach unten oder oben fahren zu können. Diese Einrichtung, die ca. 1833 erfunden wurde, wird bis heute genutzt, um die Wasserturbinen zu warten, die den Ort St. Andreasberg immer noch komplett mit Strom versorgen. Dadurch befindet sich der fünftgefährlichste Arbeitsplatz in Deutschland dort. An dieser Stelle kann man durchaus von großer Nachhaltigkeit sprechen, wie man uns versicherte, da das Wasser immer noch durch die gleichen Systeme aus dem Berg gepumpt wird, wie zur aktiven Bergbauzeit. 

Das Oberharzer Wasserregal ist zusammengefasst ein geschaffenes System zur Umleitung und Speicherung von Wasser, das die Wasserräder in den Bergwerken antrieb. Es gilt als bedeutendste vorindustrielle Wasserwirtschaftssystem des Bergbaus, denn schließlich gab es im 16. Jahrhundert noch keine Dampfmaschinentechnik. Wir haben einen Stausee davon besichtigt, der aus Teichen, Gräben und Wasserläufen bestand. Dabei machte uns der kalte Ostwind bereits ein wenig zu schaffen, obwohl die Sonne inzwischen ohne Wolken schien. Die Vorfreude auf den Abend machte dies aber wieder wett, da es ein klarer Himmel zu werden versprach.

Nach dem Abendessen ging es daher gleich an den Aufbau des eigenen Equipments, da die zweite Astronomie-Gruppe- die Hattinger Sternfreunde - sich auch bereits anfing Beobachtungsplätze zu sichern. Ernst-Jürgen Stracke und ich bauten unsere Reisemontierungen Marke AstroTrac auf, während Volker Kunz und Jürgen Adamczak ihre Stative auf Position brachten. Der Himmel änderte sich nun schlagartig: es wurde immer dunkler und die Milchstraße stieg empor. Erste Fototests wurden gemacht, die Ausrichtung der Montierung immer wieder überprüft und gegenseitig Tipps gegeben. Jeder hatte ein anderes Equipment mit dabei, so dass auch ein Austausch zwischen den Hobby-Fotographen interessant und abwechslungsreich war. Die Milchstraße war wolkenartig zu erkennen, so dass man von einem Gebirgshimmel sprechen konnte. Nur die Wüste, weit ab von Städten, bietet ein besseres Seeing. Alle waren begeistert - man konnte sich am Himmel anhand der mitgebrachten Ferngläser kaum satt sehen. Der kühle Ostwind machte es zwar notwendig, dass man sich mit mehreren Pullovern ausstaffierte, aber jeder Teilnehmer hielt so lange durch wie möglich. Zwischendurch wurde noch einer Kindergruppe der Sternenhimmel näher gebracht. Nachdem nach und nach die Beobachter spärlicher wurden, packten Ernst-Jürgen und ich um 1 Uhr dann auch als letzte Fotographen ein. Ein toller Tag und eine weitere schöne Vereinsreise waren zu Ende gegangen, denn am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück wieder in Richtung Heimat.  
 
Text: Dr. Kai-Oliver Detken
Bilder: Dr. Kai-Oliver Detken, Jürgen Adamczak, Ernst-Jürgen Stracke 

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