Astronomische Vereinigung Lilienthal e.V.

5. Norddeutsche Tagung der Planetenfotografen (NTP) in Bremervörde

Die Norddeutsche Tagung der Planetenfotografen (NTP) beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Planetenfotografie und Bildbearbeitung, darunter Aufnahmetechniken sowie der Auswertung und der Verarbeitung von Planetenvideos. Dabei wird immer ein buntes Programm zusammengestellt, was auch dieses Mal der Fall war, als sich über 30 Teilnehmer am 20. Januar in Bremervörde bereits zum fünften Mal trafen. Unter den Besuchern ließen sich auch bekannte Gesichter der Astroszene auszumachen, wie der Astronomik-Filter-Hersteller Gerd Neumann jr. oder der Software-Entwickler von FireCapture Torsten Edelmann. Dabei war das Programm so interessant, dass es die bisher größte Veranstaltung ihrer Art wurde. Da durfte die AVL natürlich auch nicht fehlen.

Der erste Vortrag wurde von FireCapture-Entwickler Torsten Edelmann gehalten, der seine neuste Betaversion vorstellte, wobei er den Tipp gab, dass diese bedenkenlos eingesetzt werden könnte. Die letzte abgeschlossene offizielle Version liegt in der Version 2.5 in 32/64 Bit vor, während die Beta-Version die Bezeichnung 2.6 erhalten hat. Die neuen Versionen unterstützen inzwischen die höheren Auflösungen der Kameras, so dass man diese Version auch einsetzen sollte. Dabei lässt die Auflösung sich durch ROI -Funktion beliebig anpassen und es wird Binning  unterstützt. FireCapture merkt sich zusätzlich ausgewählte oder selbst erstellte Bildgrößen, so dass bei einem Neustart nicht jedes Mal alle Parameter neu konfiguriert werden müssen. Bei der Belichtung sollten Gain (Verstärkung) und Belichtungszeit hauptsächlich variiert werden. Gamma-Konfigurationen sind zwar auch möglich, aber nicht immer sinnvoll. Hier kann man mehr falsch, als richtig machen. Für ältere Laptops ist es außerdem wichtig, dass die USB- Schnittstellengeschwindigkeit begrenzt wird, denn die neuen Kameras liefern rasant neue Daten, die je nach USB-Version und -Alter zu Problemen führen können. 

Nach der Vorstellung gab es noch nützliche Tipps, die im Workshop-Charakter vermittelt wurden. So sollte bei der Nutzung von Farbkameras niemals der Parameter Farb-Debayer bei Aufnahmen eingeschaltet gelassen werden, da diese Funktion nur zur Ansicht gedacht ist und die Aufnahmen dann eine geringere Auflösung erhalten. Die Nutzung eines Atmospheric Dispersion Corrector (ADC) macht auch bei Monochrom-Kameraeinsatz Sinn, da die tiefen Planetenstände immer eine Dispersion (unterschiedliche Lichtbrechung) auslösen. Dies wurde auch schon bei eigenen Aufnahmen festgestellt. 

Die Derotation von Jupiterbildern hatte Dr. Hartwig Lüthen von der GVA Hamburg in seinem Anschlussvortrag auf der Agenda. Da Jupiter in weniger als 10 Stunden um seine eigene Achse rotiert, verwischen längere Aufnahmen. Daher ist die Länge eines Videos begrenzt: max. 112 sec bei einem 10“ Schmidt-Cassegrain-Teleskop können ohne Rotationseffekte aufgenommen werden, laut Lüthen. Aufeinanderfolgende Summenbilder sind daher oftmals gegeneinander verdreht und passen nicht genau übereinander, was wiederum zu Unschärfe führt. So eine Verdrehung passiert relativ schnell bei s/w-Kameras, bei denen die RGB-Aufnahmen mit drei Farbfiltern erstellt werden müssen. Die Software WinJUPOS soll hierbei Abhilfe schaffen, die in der Version 10.3.5 aktuell vorliegt. Wie dies gemacht werden kann, wurde eingehend anhand von Beispieldaten erläutert.

Als letzter Vortrag stand das Seeing und Seeing-Vorhersagen von Dr. Michael Theusner auf dem Programm. Er ist seines Zeichens Meteorologe und kann daher die Luftschichten exzellent beurteilen. Das Hautproblem ist dabei, dass Luftschichten unterschiedliche Temperatur besitzen. Zusätzlich bewegt sich die Luft selbst auch noch. Leuchtende Nachtwolken zeigen diese Luftbewegung auch sehr schön an und bieten sehr interessante Fotomotive. Warum ein IR-Passfilter für Planetenaufnahmen manchmal das Seeing austrickst, wurde ebenfalls anschaulich von Theusner erläutert, denn im Bereich der Infrarotstrahlung wird das Licht am wenigstens abgelenkt. Dies konnte ich auch bereits durch Planetenaufnahmen in niedriger Höhe feststellen, da dort das Seeing am schlechtesten ist. Verschiedene atmosphärische Grenzschichten erzeugen nun einmal Turbulenzen (Wirbelbildung) und werden von höheren Schichten in die unteren abgegeben. Zusätzlich gibt es in jeder Höhe unterschiedliche Jetstreams (Luftbewegungen). Dabei kommen die Norddeutschen deutlich schlechter weg, als die Süddeutschen, da wir den Luftstrom aus Island/England direkt abbekommen.

Am Ende der Veranstaltung wurde ein positives Fazit gezogen. Die Vorträge spannten einen weiten Bogen und waren alle interessant vorgetragen. Die Verpflegung durch die Firma Schröder sowie die Organisation waren wieder exzellent. Ein neuer Termin wurde daher ebenfalls schon mal mit den anwesenden Teilnehmern diskutiert und ist für Mitte/Ende Januar 2019 vorgesehen. Dann sicherlich auch wieder mit AVL-Beteiligung.   

Einen ausführlicheren Bericht kann man in der nächsten HiPo (Ausgabe 54) nachlesen. 

Text: Dr. Kai-Oliver Detken
Bilder: Torsten Lietz, Dr. Kai-Oliver Detken