Astronomische Vereinigung Lilienthal e.V.

Bundesweiter Astronomietag 2018 bei der AVL

Der bundesweite "Tag der Astronomie" wurde auch in diesem Jahr von der Vereinigung der Sternfreunde e.V. (VdS) ausgerufen. Das Datum war auf den 24. März festgelegt worden, ebenso wie das Thema "das geheime Leben der Sterne". Die Astronomische Vereinigung Lilienthal (AVL) beteiligte sich wie immer auch in diesem Jahr an der bereits zum 16. Mal stattfindenden Reihe und lud zum Vortrag sowie zur Sternbeobachtung ein. Da das Wetter meistens bei solchen Veranstaltungen leider nicht mitspielt, wurde als Alternative die Besichtigung der Sternwarten-Technik angeboten.

Was unter dem diesjährigen Motto „das geheime Leben der Sterne“ verstanden werden kann, wurde am Anfang des Abends durch einen ausführlichen Vortrag von Gerald Willems (AVL) sehr anschaulich präsentiert. Der abendliche Sternhimmel bietet dazu Ende März zusätzlich zahlreiche Himmelsobjekte, an denen man den Werdegang eines Sterns direkt hätte erläutern können: von der "Geburt" in gigantischen Gas- und Staubwolken mit dem Orion-Nebel als prominentes Beispiel, bis hin zu den "Sternkindergärten" der offenen Sternhaufen mit den berühmten Plejaden im Stier. Aber auch einzelne Sterne standen im Fokus, deren unterschiedliche Temperaturen man mit eigenem Auge sehen kann. Und selbst das Ende eines Sterns können die Besucher am Teleskop erfahren: zum Beispiel mit dem Eskimo-Nebel in den Zwillingen, als Vertreter der Planetarischen Nebel (PN) und dem Krebsnebel (M1), einem Supernova-Überrest im Stier. 

AVL-Sternwarten  

Alle diese Beispiele wurden von Gerald Willems mit eigenen Bildern veranschaulicht und auch für Laien sehr anschaulich dargestellt. Das war auch wichtig, denn es konnten einige neue Gesichter bei der AVL wahrgenommen werden, denen die Himmelskunde nicht so vertraut schien. Auch konnte man sich über die Besuchermenge nicht beschweren, da alle Plätze im Vereinsheim restlos ausgefüllt wurden. Als anschauliches Beispiel von Sterngeburten wurden Nebel-Aufnahmen im Detail gezeigt, in denen dieses Schauspiel sogar beobachtet werden kann. In Messier 78, einem sehr großem Reflexionsnebel, ist dies anhand des McNeil-Nebels möglich gewesen. Dieser Nebel reflektiert, wie M78 insgesamt, Licht einiger heller blauer Sterne, die sich erst vor kurzem gebildet haben. Und auf einer Aufnahme von Gerald Willems konnte man auch wirklich einen neuen Stern ausmachen. Faszinierend was heute mit Amateur-Equipment alles möglich ist.

Ein weiteres eindrucksvolles Beispiel war eine Supernova - das Gegenteil einer Sternentstehung. So konnte vor kurzem der Krebsnebel neu aufgenommen und mit einer eigenen älteren Aufnahme verglichen werden (siehe auch Foto des Monats Februar). Hieran ließ sich erkennen, dass sich der Supernova-Überrest immer noch weiter ausbreitet. Auch die Bewegung von Sternen ließ sich durch einen Blink-Effekt mit älteren Aufnahmen anhand offener Sternenhaufen nachweisen. Dabei wurde deutlich, dass Sterne durchaus nicht fest am Himmel stehen, obwohl sie ja als sog. Fixsterne bezeichnet werden. Aufgrund der großen Entfernungen nehmen wir dies nur so wahr.

Die AVL bietet bei solchen Gelegenheiten auch immer einen abendlichen Blick durch die Teleskope der Mitglieder und der eigenen Sternwarten an. Dabei hätten in diesem Jahr der zunehmende Mond oder hellere Nebel (z.B. Gasnebel Orion) sowie Sternhaufen (z.B. M3) und Galaxien (z.B. M81, M82) durchaus gut beobachtet werden können. Leider blieb das auch im Jahr 2018 den Besuchern verwehrt, so dass bei bedecktem Himmel die mitgebrachten Teleskope der Mitglieder gar nicht erst aufgebaut bzw. gleich wieder abgebaut werden mussten. Trotzdem gab es nach dem interessanten Vortrag noch einiges zu fachsimpeln und die Sternwarte wurde durch relativ viele Teilnehmer im Anschluss besucht. Dort konnte man sich von der eingesetzten Technik überzeugen, die für die Astrofotografie von Himmelsobjekten notwendig ist. Nach all diesen neuen Informationen, die die Besucher mitnehmen konnten, war es denn trotzdem ein erfolgreicher Abend für alle Beteiligten. Es heißt also, was die eigene Beobachtung angeht, auf die nächste Veranstaltung zu hoffen.

Text: Dr. Kai-Oliver Detken
Bild: Archivaufnahme von Ernst-Jürgen Stracke und Jürgen Ruddek