Astronomische Vereinigung Lilienthal e.V.

Diesjährige Vereinsreise führte die AVL nach Franeker (Niederlande)

Die diesjährige Vereinsreise der AVL wurde nach Franeker in den Niederlanden unternommen, was sich gut in einer Tagestour mit eigenen PKWs bewerkstelligen ließ. So machten sich am 02. Juni sieben AVL-Mitglieder auf den Weg, um das älteste funktionsfähige Modell unseres Sonnensystems in Franeker zu besichtigen und damit den Erfinder des Planetariums Eise Eisinga einen Besuch abzustatten. Die Fahrt nach Franeker dauerte ca. drei Stunden von Bremen aus, so dass man mit dem 6-Stunden-Aufenthalt zusammen einen schönen 12-Stunden-Tag hatte, den alle Teilnehmer genoßen haben.

Dieses Planetarium wurde zwischen den Jahren 1774 und 1781 von Eise Jelteszn Eisinga, einem vermögenden Wollfabrikanten, selbst gebaut. Er machte sich als hochbegabter, autodidaktischer Amateur-Astronom und Verfasser von Schriften zur Mathematik recht früh schon einen Namen. Sein erstes Mathematik-Buch veröffentlichte er bereits mit 15 Jahren! Aufgrund einer seltenen Aufeinanderreihung von Planeten, die sich im Jahr 1774 ereignete und eine Massenpanik in den Niederlanden auslöste, entschloss er sich ein Planetarium zu bauen, welches beweisen sollte, dass nicht das Ende der Welt bevorstehen würde. Das Planetarium befindet sich an der Decke seines ehemaligen Wohnzimmers, welches auch als Küche und Schlafzimmer diente. Es wird von einer Pendeluhr mittels mehrerer Gewichte angetrieben, wodurch nicht nur die Planetenbewegungen angezeigt wird, sondern auch Sonnenauf- und -untergang sowie Mondauf- und -untergang, den Mondstand, die Sternzeichen und das Datum. 1859 schenkte der niederländische Staat der Stadt Franeker das Planetarium.

Die eintägige AVL-Vereinsreise hielt viele neue Eindrücke für alle Teilnehmer bereit. So konnte in Franeker neben dem Planetarium auch die alte katholische Martini-Kirche aus dem 16. Jahrhundert und das Nachbardorf Dronrijp, auf dessen Friedhof Eise Eisinga begraben liegt, besucht werden. Franeker besaß zwischenzeitlich sogar eine Universität, die sich aus einem Kloster 1585 entwickelte, aber 1811 wieder geschlossen wurde. Im 17. Jahrhundert war der Ort ein bekanntes Zentrum reformierter Theologie, das vor allem deutsche und ungarische Studenten anzog. Dies konnten wir auch in der Kirche erkennen, in der Grabsteine bedeutender Bürger aufgebahrt wurden, die u.a. auch drei ungarischen Studenten gewidmet waren.

Franeker hat in seiner Geschichte einige bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht. Neben Eise Eisinga ist diese Stadt auch der Geburtsort des niederländischen Astronoms Jan Hendrik Oort. Dieser bestätigte 1927 mit den Oortschen Rotationsformeln die Hypothese von Bertil Lindblad über die Rotation unserer Milchstraße. Oort lokalisierte das Milchstraßenzentrum ca. 30.000 Lichtjahre von der Erde entfernt und zeigte, dass unsere Galaxis eine Masse von 100 Milliarden Sonnenmassen hat. In den 1950er Jahren postulierte er die Oortsche Wolke, die am Rand unseres Sonnensystems liegt und aus dem viele Kometen stammen sollen. Oorts Theorien sind bislang aber nicht bestätigt worden, obwohl sie allgemein anerkannt sind. Neben der Martini-Kirche in Franeker steht ein Brunnen mit einer Schale, wie sie im Mittelalter oft an zentralen Plätzen zu finden waren. Dieser Oortbrunnen ist allerdings als eine Reihe von Wasserfällen konzipiert, die aus einem großen Becken an einer senkrechten Kette aus nachtfarbenen Perlen strömen. Zwei große Perlen heben sich dabei ab: Silber, in der Farbe des Mondes, und Gold, in der Farbe der Sonne. Die Oortsche Wolke wird durch einen Nebel aus feinen Wassertröpfchen umgesetzt, die aus einem Geflecht von goldenen Rohren, das die Sonne umgibt, in das Becken fallen. Eine sehr schöne Idee, wodurch man die Wolke direkt wahrnehmen kann.

Einen ausführlicheren Bericht über die Fahrt wird man in der HiPo-Ausgabe 56 nachlesen können. Einige Bildimpressionen sind in unserem Fotoalbum von den fotoaktiven Teilnehmern zusammengefasst worden.

Text: Dr. Kai-Oliver Detken

Bilder: Chantal Sadek, Jürgen Ruddek, Alexander Alin, Dr. Kai-Oliver Detken