Astronomische Vereinigung Lilienthal e.V.

MoFi-Grillen bei der AVL - Mars-Opposition inklusive

Die AVL veranstaltet jedes Jahr im August ein sog. Perseiden-Grillen, um die Hochphase der Sternschnuppen-Aktivitäten gemeinsam beobachten und genießen zu können. Dieses Jahr wurde dieses Event kurzerhand in ein MoFi-Grillen umgewandelt, da die größte Totalität dieses Jahrhunderts mit der Mars-Opposition am 27. Juli 2018 auf dem Programm stand. So konnten man mit 28 Teilnehmern entspannt grillen und ab 22 Uhr den Mond versuchen aufzufinden, der an diesem Abend bereits in der Totalitätsphase aufging.

Die Veranstaltung war von Volker Kunz und Jürgen Ruddek bestens organisiert und hätte eigentlich auch nicht optimaler laufen können, da man bei sehr sommerlichen Temperaturen bei über 30 Grad startete und selbst gegen Mitternacht noch um die 28 Grad genossen werden konnten. Das kennen AVL-Mitglieder sonst durchaus auch anders, im nicht immer sonnenverwöhnten Norddeutschland, weshalb sicherheitshalber Pullover und Jacken mitgebracht (aber nicht genutzt) wurden. So konnte erst einmal der Grill angefeuert und für das leibliche Wohl aller Teilnehmer gesorgt werden, bevor es um den Mond und die Planeten ging.

Nach und nach schälten letztere sich aus der Dämmerung heraus, allen voran die Venus und der Jupiter, die mit dem vereinsinternen 8" LX200 von Meade beobachtet wurden. Anschließend wurde versucht Saturn mit dem Auge und dem Teleskop zu finden, bevor man gemeinsam Alexander Gerst von der Internationalen Raumstation ISS grüßte, der zum ersten Mal über die kleine Beobachtergruppe an diesem Abend flog. In rund 400 km Entfernung und mit einer Geschwindigkeit von ca. 27.600 km/h zog er am Himmel über unseren Köpfen hinweg, wobei unser Vereinsmitglied Jürgen Ruddek auch ISS-Aufnahmen erstellte, was bei dieser Geschwindigkeit nicht so einfach ist. Holger Rentzow ließ vor der Dämmerung ebenfalls etwas über unsere Köpfe hinweg fliegen: seinen Quadcopter mit eingebauter HD-Kamera. Dies fand viel Beachtung und neugierige Blicke auf die Remote-Steuerung, die mittels Smartphone-App umgesetzt ist. So konnte Holger ein paar schöne Bilder aus der Luftperspektive von den Sternwarten anfertigen.

Danach konzentrierten wir uns auf die bevorstehende MoFi. Doch zuerst hatten wir Schwierigkeiten den Mond überhaupt zu erkennen, obwohl es bereits weit nach 22 Uhr war. Anspannung gab es zusätzlich, weil sich eine Wolkenbank am Horizont genau vor den aufgehenden Mond zu schieben schien. Diese richtete sich aber gottseidank nach dem Wetterbericht und löste sich rechtzeitig wieder auf. Dann gab es endlich den ersehnten Ruf: "ich habe ihn gesehen", so dass Bewegung in die Gruppe kam. Und wirklich, ganz versteckt in der Dämmerung, lugte er hinter Bäumen ganz schwach hervor. Der Himmel war noch nicht richtig dunkel, so dass der Kontrast entsprechend schlecht ausfiel. Ein Umstand, der in der Berichterstattung der Medien gerne weggelassen wurde. Aber dieser sollte sich mit zunehmender Dunkelheit noch entsprechend ändern. Während die MoFi-Fotografen emsig bemüht waren die besten Bilder zu erstellen, kamen immer mehr Sterne zum Vorschein und es konnten parallel Sternschnuppen und Iridium-Flares beobachtet werden. 

Auch der Mars ließ erst einmal auf sich warten, war dann aber so hell, dass er durch die Bäume hindurch auf einmal ins Gesichtsfeld kam. Auch hier war die Aufregung bei einigen Beobachtern groß, hatten sie den roten Planeten doch noch nie so hell wahrgenommen. Im Zusammenspiel mit dem Mond, der seine Totalitätsphase zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen hatte, sah dieses Himmelsschauspiel sehr schön, fast schon romantisch, aus. Alles in allem ging ein sehr schöner Abend bzw. Nacht zu Ende und hinterließ ausschließlich zufriedene Teilnehmer. Einige sprachen sogar von der schönsten Mondfinsternis ihres Lebens: wunderbar! Ein schöneres Kompliment konnte man den Organisatoren des MoFi-Grillens und dem Himmelsspektakel wohl kaum machen.  

Text: Dr. Kai-Oliver Detken 

Bilder: Volker Kunz, Jürgen Ruddek, Jürgen Adamczak, Holger Rentzow, Dr. Kai-Oliver Detken