Astronomische Vereinigung Lilienthal e.V.

Der ISS-Transit vor dem Mond

Der ISS-Transit vor dem Mond am 07.03.2006 über Lilienthal

Text und Bilder von Jürgen Ruddek, Lilienthal (AVL) 

 

ISS

 
Anfang März war die ISS-Raumstation am frühen Abend über Lilienthal zu beobachten. Der Himmel war klar und wolkenlos, so dass ich mir vornahm, die ISS zu fotografieren. Am 05. und 06.03. hatte ich zwar mein Teleskop rechtzeitig aufgebaut, es aber nicht geschafft, Fotos zu machen. Den richtigen Moment zu erwischen war bei einer Brennweite von etwa 2000mm nicht realisierbar.

Am 07.03.2006 zog die ISS-Raumstation erneut am Südhimmel, aber relativ nah am zunehmenden Mond vorbei. Im Laufe des Tages kam mir die Idee, mich so zu platzieren, dass ich von meinem Standort aus die ISS direkt durch den Mond fliegen sehen kann.
Um den optimalen Standort zu ermitteln, kann man im Internet (www.heavens-above.com) nicht nur eine Stadt aus der Auswahlliste wählen, sondern individuell beliebige Koordinaten eingeben. Ich fand heraus, dass man auf einer Detailkarte mit hoher Auflösung erkennen kann, ob die ISS direkt durch den Mond, darüber oder darunter vorbeifliegt. Da ich keine Karte griffbereit hatte, suchte ich nach einem Programm, welches den errechneten Standort anhand von Koordinaten anzeigt. Bei www.mapquest.com bekommt man diesen Ort sehr genau angezeigt. So suchte ich mir eine relativ dunkle Stelle an der Wörpe am Lilienthaler Gehölz.

Im Laufe des Nachmittags informierte ich Ute Spiecker über den den ISS-Mondtransit, da mir dieses Ereignis mittlerweile als so interessant erschien, dass auch andere AVL-Mitglieder hiervon in Kenntnis gesetzt werden sollten.

Als um 19:47 Uhr die ISS am Mond vorbei flog, war der Himmel sternenklar. Ich entschied mich, den Moment im Film festzuhalten, um aus einer Sequenz das Transitfoto herauszusuchen. Die Filmaufnahme, gemacht mit einer kleinen Digitalkamera Sony DSC W15 durch ein Leica-Apo-Televid mit 32-facher Vergrößerung (1200mm Brennweite) zeigte anschließend eine leicht oberhalb des Mondes vorbeifliegende ISS. Leider war mein Beobachtungsort nur einen Kilometer zu weit südlich.

Dieses Ereignis führte noch am gleichen Abend und in den darauf folgenden Tagen zu erheblichem Gesprächsstoff unter den Lilienthaler Sternfreunden, da einige die ISS oberhalb und andere unterhalb des Mondes vorbeifliegen sahen.

Alexander Alin regte daraufhin zur Berechnung des Transitfensters an, das sich mit dem 2. Strahlensatz errechnen lässt.
Wilhelm Schrader wies beim AVL-Stammtisch am 21.03.2006 darauf hin, dass auch der Winkel zum Mond (Höhe des Mondes) eine nicht zu vernachlässigende Größe ist und beim Abstand Erde-Mond der Erdradius abzuziehen ist.

Folgende Parameter sind somit für die Berechnung von Bedeutung: 

  • Entfernung Erde (Oberfläche der Erde!) – Mond: 380.500km

  • Monddurchmesser: 3.476 km

  • Höhe der ISS: 437 km

  • Winkel zum Mond: 64°46’ 

Daraus ergab sich ein Bereich von nur 3,9 km in Nord- Südrichtung, in dem ein Vorbeiflug der ISS direkt vor dem Mond beobachtet werden konnte.