Virgo-Galaxienhaufen um M84 und M86 (Markarjansche Kette)

Virgo-Galaxienhaufen

(Ein Klick auf das Bild zum Vergrößern)  

Virgo-Galaxienhaufen um M84 und M86 (Markarjansche Kette)


Der Virgo-Galaxienhaufen ist besonders gut im Frühjahr an unserem Sternenhimmel auszumachen. Er enthält zwischen 1300 und 2000 Galaxien, die sich im Sternbild Jungfrau und Haar der Berenike befinden, wodurch er auch seinen Namen erhielt (lat. Virgo = Jungfrau). Der Haufen bildet auch das Zentrum des lokalen Superhaufens, der die gravitativ gebundene Ansammlungen mehrerer Galaxienhaufen beinhaltet. Die bekannte Lokale Gruppe, ein Galaxienhaufen, dem u.a. unsere Milchstraße und die Andromeda-Galaxie angehören, ist ein Teil dieses Superhaufens. Er gehört damit zu den größten für uns erkennbaren Strukturen im Universum.

Entdeckt wurden erste Objekte des Virgo-Galaxienhaufens von Charles Messier im Februar 1771. Er begann damit nebelige Himmelsobjekte zu katalogisieren, die keine Kometen sein können und nahm als erstes die Riesengalaxie Messier 49 in seine Aufzeichnungen auf. Später kamen weitere Messier-Objekte hinzu, auch wenn nicht alle von ihm selbst entdeckt worden sind. Insgesamt zählt der Messier-Katalog 16 Galaxien im Virgo-Haufen. Dabei entdeckte bereits Charles Messier, dass diese Nebel eine Gruppe bilden und es sich daher nicht um einzelne Sternenhaufen handeln konnte.

Der Virgo-Galaxienhaufen besteht aus einer Mischung von Spiralgalaxien und elliptischen Galaxien. Die Spiralgalaxien sind dabei im Zentrum des Haufens nicht anzutreffen, da die Spiralstruktur hier durch starke Gezeitenkräfte zerstört wird. Dahingegen verteilen sich die elliptischen Galaxien symmetrisch und verdichten sich im Zentrum des Haufens. Der zentrale Bereich beheimatet daher drei elliptische Riesengalaxien mit M49, M60 und M87. Eine kleinere Gruppe hat sich dabei um M84 und M86 gebildet, die nach ihrem Entdecker Markarjansche Kette benannt wurde, der sie in den 1970er Jahren intensiv beobachtete. Auf unserem Foto des Monats sind u.a. die Galaxien M84 (NGC 4374), M86 (NGC 4406), NGC 4435, NGC 4438, NGC 4402, NGC 4387, NGC 4388, NGC 4413 und NGC 4425 abgebildet.

Neben dem Messier-Galaxienpaar M84 und M86 (unten und Mitte des Bildes) fällt im obigen Teil des Bildes das Paar NGC 4435 und NGC 4438 ganz besonders auf, das auch oftmals als "The Eyes" bezeichnet wird. Speziell die letztgenannte Galaxie ist dabei sehr interessant, da sie visuell erkennbar mit der Nachbargalaxie NGC 4435 interagiert. Es handelt sich bei um zwei linsenförmige Galaxien, die ca. 52 Millionen Lichtjahre von uns entfernt sind. Sie wurde bereits im Jahr 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt. Man vermutet, dass beide Galaxien in der geringen Entfernung von 16.000 Lichtjahren ursprünglich aneinander vorbeigerast sind und sich dadurch eine Wechselwirkung ergeben hat, die die ursprüngliche Struktur von NGC 4438 quasi auseinander reißt. Dies wird durch enorme Gravitationskräfte verursacht, die auf die enthaltenen Sterne, Gase und Staub großen Einfluss nehmen. Momentan sind beide Galaxien ca. 100.000 Lichtjahre voneinander entfernt.

Dieser Teil des Virgo-Galaxienhaufens wurde am 19. und 20. April aufgenommen und beinhaltet insgesamt 4,5 Stunden Aufnahmezeit. Als Teleskop stand das C11-HyperStar mit 560 mm Brennweite zur Verfügung, welches ein schnelles Öffnungsverhältnis von 1/2 anbietet. Es ist kein Autoguiding oder Dithering genutzt worden, da nur 60 s pro Bild an Aufnahmezeit verwendet wurden und die Montierung CEM60 von iOptron eine hohe Nachführgenauigkeit besitzt. Dabei kam eine neue lichtempfindliche Farb-CMOS-Kamera der Firma ZWOptical zum Einsatz, die mit 2,4 Mikrometern eine enorm kleine Pixelgröße anbietet: ASI 183MCpro. Ein IDAS-Nebelfilter der Firma Hutech wurde zusätzlich genutzt. Als Aufnahme-Software ist das AstroPhotography Tool (APT) verwendet worden.

© Foto und Text: Dr. Kai-Oliver Detken (AVL)