Im Grenzgebiet zwischen Stier und Perseus

Foto des Monats Dezember 2018

Im Grenzgebiet zwischen Stier und Perseus

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Im Grenzgebiet zwischen Stier und Perseus

Die Region im Grenzgebiet zwischen Stier und Perseus. Abgebildet ist hier ein 17,8° x 9,5° großes Feld. Das Bildzentrum liegt ziemlich genau auf der Grenze der beiden Sternbilder. Abweichend von der üblichen Darstellungsweise befindet Norden sich hier links (PW=83°).  Auf den ersten Blick erkennt man zwei dominierende Objekte. Es handelt sich um die Plejaden (M45) am rechten Bildrand und den California-Nebel (NGC1499) auf der gegenüberliegenden Bildseite. Eingebettet liegen beide Objekte im Nebel der interstellaren Materie.

Der geschilderte Eindruck entspricht ganz und gar nicht der Wahrnehmung die man – selbst in den Regionen mit bestem Nachthimmel – mit dem bloßem Auge hat. Die Plejaden sind sehr gut mit dem bloßem Auge zu beobachten und unter gutem Himmel kann man bereits mit dem Fernglas erahnen, das da auch Nebel im Spiel ist. Ganz anders der California-Nebel, dieser ist nur mit Filtern visuell erreichbar. Die Hauptursache ist, dass der California-Nebel nahezu ausschließlich im Licht des ionisiertem Wasserstoffs bei einer Wellenlänge leuchtet, für die das menschliche Auge bei Dunkelheit nahezu blind ist. Erst der Einsatz von Filtern, die lediglich einen Anteil des Wasserstoffspektrums im optimalen Empfindlichkeitsbereich des dunkeladaptieren Auges durchlassen (Hβ), wird der Kontrast so groß, das eine direkte visuelle Beobachtung möglich ist.

Schaut man länger auf das Bild, erkennt man links oberhalb der Bildmitte eine Region, in der sich weitere Aktivitätsgebiete der interstellaren Materie verbergen. Es handelt sich um die  6 Millionen Jahre alte Sternassoziation Per OB2. Supernovae und Sternwinde in Per OB2 treiben jetzt die expandierende Hülle einer neuen Superblase in das interstellare Medium. Bemerkenswert ist, dass der 40.000 Grad heiße und 50 Sonnenmassen schwere Runaway-Star Menkib (ξ Per) auch in dieser Assoziation entstanden ist. In den ca. 1 Mio Jahren seit seiner Entstehung hat er seinen Geburtsort mit etwa 60 km/s verlassen und nun ionisiert er eine 40‘ nördlich von ihm stehenden Teil dieser Superblase und ist damit für das Leuchten des California-Nebels verantwortlich.

Die Aufnahme war ein Projekt, welches sich über drei morgentliche Aufnahmeserien im September 2018 auf dem Athos Star Campus auf LaPalma hinzog. Jeden Morgen wurde ein Teilbild mit einer EOS5Da MkII und einem EF-L 200mm bei Blende 4.0 belichtet. Verwendung fanden pro Teilbild 25 bis 40 Einzelbilder mit 4 min Belichtungszeit bei ISO400. Bearbeitet und zusammengesetzt wurde das Ganze dann mit Pixinsight. Dabei wurde darauf Wert gelegt, die interstellare Materie deutlich abzubilden und die Farben bei einer stimmigen Farbkalibrierung deutlich sichtbar zu gestalten.

© Text und Foto: Dr. Kai Wicker (AVL)