Astronomische Vereinigung Lilienthal e.V.

Die Kometen ISON und LOVEJOY

Aktuelles zum Kometen ISON

Nachdem wir eigens eine Sonderveranstaltung zum Kometen ISON durchgeführt hatten, erreichte der Komet leider nicht einmal ansatzweise seine vorhergesagten Helligkeitswerte. Seit Monaten fieberten Profi- und Amateurastronomen dem besonderen Ereignis entgegen. Man nahm an, dass dieser Komet ein Himmelsschauspiel besonderer Art abliefern würde. Zur Zeit der Annäherung an die Sonne waren zeitgleich drei weitere Kometen sichtbar. Die Ironie dabei war nun, dass sich ISON von diesen vier Kometen als der lichtschwächste entwickelt hatte.

Nun waren alle gespannt, was der Vorbeiflug an der Sonne aus ISON machen würde. Mit einem Abstand von gerade einmal einer Million km kam er der Sonne so nah, dass er durch koronales Gas fliegen musste. Es gab durchaus die Möglichkeit, dass ISON diese Feuerprobe übersteht und er danach als Objekt des Abendhimmels sichtbar werden würde. Alle diese Erwartungen können wir nun begraben - ISON  hat den Vorbeiflug nicht überstanden. Die Sonnensonde SOHO, die immer auf die Sonne gerichtet ist, konnte die dichteste Annäherung aufzeichnen und wir konnten fast live miterleben, wie der Komet zerbrach und sich anschließend nahezu vollständig auflöste. (siehe SOHO-Animation der NASA).

Für die Wissenschaft dürfte ISON dennoch einen Gewinn darstellen. Denn bei seinem Auseinanderbrechen wird man Spektren des enthaltenen Gases registriert haben, die Aufschluss über die Zusammensetzung der Urmaterie unseres Planetensystems geben werden. Und wir? Nun, wir sind zwar enttäuscht, haben aber viel über Kometen und deren Eigenschaften gelernt. Selten hatte man so erwartungsvoll einen Kometen begleitet und auf sein Erscheinen hingefiebert. Wir werden also auf das nächste Ereignis warten. Dann sicher mit etwas weniger spektakulären Voraussagen. Und dann gibt es vielleicht umgekehrt eine positive Überraschung.

Der Komet Lovejoy

Das war es also mit ISON. Zwar geistern noch immer Vermutungen in den einschlägigen Foren des Internets, dass es eine „Auferstehung“ ISONs gäbe, es sind aber offenbar nur Hoffnungsäußerungen von Hobbyastronomen, die das Ende dieses so euphorisch erwarteten Kometen noch nicht wahrhaben wollen.

Überraschungen kommen bekanntermaßen  überraschend: Und bei aller Konzentration auf den Jahrhundertkometen ist manchem entgangen, dass sich der Komet C 213 R1 Lovejoy so ganz klammheimlich ebenfalls der Sonne nähert. Dieser wird sich aber, wie es vorausberechnet wurde, in einer Entfernung von ca. 120 Millionen km Abstand an der Sonne vorbeibewegen. Wir erinnern uns: ISONs Abstand im Perihel waren gerade einmal 1,2 Millionen km. Und darin dürfte auch der Grund zu finden sein, dass man Lovejoy zunächst kaum Beachtung schenkte.

Sein Perihel wird Lovejoy am 22. Dezember erreichen. Dann aber, wie schon erwähnt, in gebührendem Abstand zur Sonne. Zurzeit beträgt seine Helligkeit ca. 4,5 mag und der Schweif ist deutlich ausgeprägt.

Inzwischen befindet sich Lovejoy im Herkules. Vor wenigen Tagen konnte ich ihn im Feldstecher mit Leichtigkeit finden und sogar seinen Schweif mühelos erkennen – er füllte fast das gesamte Bildfeld meines 7x50 Feldstechers. Ich möchte also alle Interessierten ermuntern, in den frühen Morgenstunden das Sternbild des Herkules im Osten aufzusuchen und nach Lovejoy Ausschau zu halten.

Einen Vorgeschmack auf seine Sichtbarkeit kann das folgende Video schon mal geben, welches von Kai-Oliver Detken am 02. Dezember von 5 Uhr morgens bis zum Sonnenaufgang erstellt wurde. Es wurde zusammengesetzt aus ca. 100 Einzelaufnahmen, die mit jeweils 60 sec bei 1.600 ASA belichtet wurden. Als Kamera kam eine Canon 1000Da mit CLS-Filter zum Einsatz, bei einer Brennweite von 420 mm:  
Lovejoy.mp4

Einzelheiten zum Kometen sowie eine Aufsuchkarte findet ihr hier: http://www.kometen.info/2013r1.htm

 

Gerald Willems