Große Magellansche Wolke (GMW)

Große Magellansche Wolke (GMW)

Foto des Monats Juli 2019

Die Große Magellansche Wolke (kurz: GMW) ist nur auf der Südhalbkugel beobachtbar. Sie ist eine irreguläre Zwerggalaxie (d.h. sie besitzt keine klare Strukturen noch Symmetrien), die nicht zu unserer Milchstraße gehört, sich aber in nächster Nachbarschaft zu uns befindet und der Lokalen Gruppe (Galaxienhaufen, indem sich auch die Milchstraße befindet) angehört. Die Galaxie ist nur 170.000 Lichtjahre von uns entfernt und besitzt eine visuelle Helligkeit von +0,9 mag, weshalb sie mit bloßem Auge klar am Südhimmel als großer Nebelfleck ausgemacht werden kann. Sie war daher bereits in prähistorischer Zeit bekannt und wurde erstmals schriftlich vom persischen Astronomen Al Sulfi im Jahr 964 beschrieben. Wer sie zum ersten Mal sieht, ist aufgrund der Nähe und Größe am Himmel schlichtweg begeistert. So ging es mir jedenfalls, als ich sie auf La Réunion im Bergdorf Cilaos im Jahr 2016 über unserer gemieteten Hütte zum ersten Mal sehen konnte. Damals hatte ich nur ein 50mm-Objektiv zur Verfügung, weshalb ich mir vornahm diese schöne Galaxie auch noch mal mit größerer Brennweite aufzunehmen. Diese Gelegenheit sollte ich im Mai diesen Jahres bekommen, als ich auf der Astrofarm Kiripotib in Namibia auf Entdeckungstour durch den Südsternhimmel ging.

In der GMW gibt es zahlreiche interessante Objekte für Amateurastronomen. Am markantesten ist beispielsweise der Tarantelnebel (NGC 2070), einem sehr hellem Emissionsnebel, den man auf der Aufnahme rechts oberhalb der Galaxie erkennen kann. Er ist einer der größten bekannten Sternentstehungsgebiete in der Lokalen Gruppe und daher auch im Fernglas bereits gut auszumachen. John Herschel bezeichnete ihn wegen seiner sichtbaren Wirbel als "Looped Nebula". Obwohl sich die GMW derzeit von unserer Milchstraße entfernt, scheint sich dieser Prozess in ein bis vier Milliarden Jahren umzukehren, wie neuere Simulationen zeigen. Daher wird sie wohl ähnlich wie die Andromeda-Galaxie mit unserer Milchstraße eines Tages kollidieren.

Das Bild wurde mit einem 70-200mm-Teleobjektiv aufgenommen, bei einer Brennweite von 128 mm, damit die Galaxie genau ins Bild passt. Das Objektiv wurde dabei auf eine Blende von f4 abgeblendet, um eine bessere Sternabbildung zu gewährleisten. Zur Fokussierung wurde eine Cuzdi-Maske verwendet, die für das Objektiv extra gefertigt wurde. Die DSLR-Kamera Canon 700Da wurde ohne Filter verwendet. Die Gesamtbelichtungszeit betrug drei Stunden und wurde aufgrund des tiefen Standes im Mai auf zwei Nächte verteilt.

Aufnahmedaten:

Aufnahmeort: Astrofarm Kiripotib, Namibia am 26. und 27. Mai
Optik: Sigma 70-200 mm F2,8 EX DG OS HSM-Objektiv
Kamera: Canon 700Da (modifiziert) bei 800 ASA
Autoguiding: Lacerta M-GEN V2 mit Dithering
Montierung: Vixen GP-DX

© Foto und Text: Dr. Kai-Oliver Detken (AVL)

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