Kleine Magellansche Wolke (KMW)

Kleine Magellansche Wolke (KMW)

Foto des Monats Januar 2020

Die Kleine Magellansche Wolke (kurz: KMW), die auch die Bezeichnung NGC 292 besitzt, ist wie ihr großer Bruder nur auf der Südhalbkugel beobachtbar. Sie ist ebenfalls eine irreguläre Zwerggalaxie (d.h. sie besitzt keine klare Struktur oder Symmetrie), die nicht zu unserer Milchstraße gehört, sich aber in nächster Nachbarschaft zu uns befindet und der Lokalen Gruppe (Galaxienhaufen, indem sich auch die Milchstraße befindet) angehört. Die KMW ist ca. 190.000 Lichtjahre von uns entfernt und besitzt eine visuelle Helligkeit von +2,7 mag. Sie ist daher auch ohne Hilfsmittel am Südhimmel gut erkennbar. Ihr Durchmesser beträgt ca. 7.000 Lichtjahre.

Die KMW besteht eventuell aus zwei verschmelzenden Galaxien, die sich aber nicht optisch trennen lassen, da sie auf gleicher Sichtlinie liegen. Durch die Kollision mit der Großen Magellanschen Wolke (GMW) verlor die KMW große Gasmengen, die sie heute noch hinter sich herzieht und die beide Zwerggalaxien miteinander verbinden (sog. Magellanscher Strom). Es lassen sich speziell Sterne der Population I in ihr ausmachen. Das heißt, dass das Alter der Sterne unterhalb von 100 Mio. Jahren liegt und daher sehr jung ist. Das erklärt den relativ hohen Blauanteil dieser Zwerggalaxie. In der KMW sind zudem HII-Regionen (Sternentstehungsgebiete) und ungefähr 15 Kugelsternhaufen aufzufinden. Besonders auffällig ist NGC 346 (bläulich, rechts oben innerhalb der KMW), ein Offener Sternhaufen, der den hellsten Stern der KMW enthält. Die KMW besitzt viele weitere NGC-Objekte, die an dieser Stelle aber nicht weiter erwähnt werden sollen.

Unterhalb von der KMW lässt sich der Kugelsternhaufen 47 Tucanae erkennen. Er wird auch als NGC 104 bezeichnet und ist nach Omega Centauri (der ebenfalls nur am Südsternhimmel beobachtbar ist) der zweithellste Kugelsternhaufen unseres Himmels. Seine visuelle Helligkeit beträgt +4,91 mag und er ist 15.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, weshalb er nur optisch als Begleiter der KMW erscheint. Sein Alter beträgt immerhin stolze 10 Milliarden Jahre. Er beherbergt in einem Durchmesser von 120 Lichtjahren mehrere Millionen Sterne, darunter einige Rote Riesen. Der zweite Kugelsternhaufen nahe der KMW ist NGC 362 (rechts oben), der etwa 27.000 Jahre von uns entfernt ist und eine visuelle Helligkeit von +6,4 mag besitzt. Er ist ca. 10,3 Milliarden alt und enthält viele Doppelsterne.

Das Bild wurde mit einem 70-200mm-Teleobjektiv von Sigma und der gekühlten CMOS-Kamera A.S.I. 071MC aufgenommen, bei einer Brennweite von 200 mm. Dazu wurde ein Artesky-CCD-Adapter mit Filterhalter und T2-Adaption für Canon EOS-Objektive verwendet, mit dem man zusätzlich einen Filter nutzen kann, ohne den Abstand zum Foto-Chip zu verändern. Dadurch ließ sich ein IDAS-Nebelfilter einsetzen. Das Objektiv wurde auf eine Blende von f4 abgeblendet, um eine bessere Sternabbildung zu gewährleisten. Die Gesamtbelichtungszeit betrug nur zwei Stunden, bei einer Aufnahmezeit von 5 min pro Bild. Das Bild wurde mit PixInsight farbkalibriert und mit Photoshop CS6 weiterverarbeitet.

Aufnahmedaten:

Aufnahmeort: Astrofarm Kiripotib, Namibia am 04. Juni 2019
Optik: Sigma 70-200 mm F2,8 EX DG OS HSM-Objektiv
Kamera: ZWOptical A.S.I. 071MCpro mit Gain 90 (Unity Gain)
Autoguiding: Lacerta M-GEN V2 ohne Dithering
Montierung: Vixen GP-DX

© Foto und Text: Dr. Kai-Oliver Detken (AVL)

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