NGC 5866 oder M 102 im Sternbild Drachen

NGC 5866 oder M 102 im Sternbild Drachen

Foto des Monats August 2021

Das Bild zeigt die ca. 40 Mio Lichtjahre entfernte linsenförmige Galaxie NGC 5866 im Drachen. Sie hat eine scheinbare Ausdehnung von etwa 6‘ x 3‘ und eine scheinbare visuelle Helligkeit von etwa 9,9 mag. Manchmal wird sie auch als Spindelgalaxie bezeichnet. Bei dieser Galaxie schauen wir nahezu exakt auf die Kante. Damit gehört sie zu den Galaxien die gerne unter dem Begriff „edge-on galaxy“ zusammengefasst werden. Durch den seitlichen Blick ist das Staubband gut sichtbar, es liegt aber hier gar nicht genau in der Hauptebene: nach ApJ 131, p. 224-226 ist das Staubband 2° von NGC 5866 gegen die Hauptebene geneigt.

Der gezeigte Bildausschnitt ist 47‘ x 37‘ groß, der Abbildungsmaßstab beträgt 0.8“ pro Pixel und Norden ist oben (PW=-178°). Bei den Galaxien nördlich von M 102 handelt es sich um NGC 5862 und NGC 5870. Darüber hinaus findet sich eine Vielzahl von schwächeren Galaxien im Bildausschnitt. Deren größte ist PGC 166188 östlich von M 102, etwas unterhalb der Bildmitte. Die vorliegende Aufnahme wurde in der Zeit vor den norddeutschen weißen Nächten aufgenommen: am 7. und 29. Mai 2021 wurde insgesamt 4 h – verteilt auf 45 x 2 min L und je 25 x 2 min RGB – belichtet. Kamera war eine Atik 490EXm an einem 10“ Selbstbau-Newton bei einem effektiven Öffnungsverhältnis von 1:3,6.

Die Bearbeitung der Bilddaten erfolgte in Pixinsight. Bei Aufnahmen dieser Galaxie besteht die Gefahr, dass die hellen Anteile das dunkle Staubband überstrahlen. Dieses ist deswegen auf langbelichteten Aufnahmen schwer erkennbar. Diesem Sachverhalt wurde bei der Bildbearbeitung versucht gerecht zu werden, indem eine Dynamikkompression für ausgewählte Bildanteile durchgeführt wurde (HDRMT). Die Herausforderung bestand hier darin nicht zu übertreiben, da das Ergebnis sonst schnell unnatürlich wirkt. Siehe hierzu das Zusatzbild. Es zeigt die Galaxie ganz ohne Dynamikkompression und mit – aus der Sicht des Autors – übertriebener Kompression. Unsicher ist sich der Autor über die leicht rosa erscheinende Farbwirkung der Galaxie. Diese ergibt sich trotz – hoffentlich korrekter – astrometrischer Farbkalibration.

Interessant ist die Geschichte um die Katalognummer im Messier Katalog. Normalerweise verifizierte Messier Entdeckungen und listete sowohl die früheren Entdeckungen als auch seine eigenen Beobachtungen auf. Zum Zeitpunkt der Beobachtung dessen, was M102 wurde, rückte jedoch die Frist für Ergänzungen zur Veröffentlichung von Messiers letztem Katalog von 1784 schnell näher. Vermutlich überprüfte er die Beobachtung deshalb erst später. Offensichtlich schlichen sich dabei Fehler ein, so dass an der vermerkten Position kein hellerer Nebel zu finden war. Lange Zeit wurde vermutet das M 102 mit M 101 (NGC 5457) identisch sei. So weisen sogar noch heutige Internetquellen teils NGC 5866 und teils NGC 5457 als M 102 aus.

Sehenswert ist auch eine Aufnahme des Hubble Teleskops von M102 und dem Staubband.

© Foto und Text: Dr. Kai Wicker (AVL)

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