Südliches Milchstraßenmosaik

Südliches Milchstraßenmosaik

Foto des Monats September 2019

In Namibia sagt man, wirft die Milchstraße Schatten, so ähnlich wie bei uns er Halbmond. Das bedeutet, dass der Himmel sehr dunkel ist und die Milchstraße sehr dominant am Himmel steht (Bortle-Skala = 1). Hinzu kommt, dass es kaum Lichtverschmutzung dort gibt, da große Städte nicht existieren: die Hauptstadt Windhoek hat gerade mal 350.000 Einwohner. Die dort vorhandenen Astrofarmen liegen zudem weit genug von der Hauptstadt entfernt. So auch die Astrofarm Kiripotib, die ca. 150 km südöstlich entfernt in der Kalahari beheimatet ist. Auf der Farm selbst nimmt man ebenfalls Rücksicht auf die nächtlichen Exkursionen der Hobbyastronomen, so dass, wenn alle „normalen“ Gäste im Bett sind, das Licht fast komplett ausgeschaltet wird. Zudem liegen die Beobachterplattformen weit genug von den Gebäuden entfernt, sind aber trotzdem über markierte Steinwege gut zu erreichen. Und diese weißen Markierungen werden ebenfalls durch das Licht der Milchstraße so gut beleuchtet, dass man meistens keine Rotlichtlampe mehr benötigt.

Die Milchstraße wird man in jedem Fall so noch nicht erlebt haben, auch wenn man schon an diversen Orten der Welt nach oben geschaut haben sollte. In dunklen Gegenden sieht man ja bereits die sog. Milchstraßenwolken, die durch die Unmengen an Sternen illusorisch erzeugt werden. In Namibia sieht man hingegen mit dem bloßen Auge bereits sehr deutlich Strukturen und Dunkelwolken (undurchsichtige Staub- und Gaswolken), die durch den Blick durchs Fernglas noch verstärkt werden. Nicht ohne Grund haben die Ureinwohner der Südhalbkugel (z.B. die Aborigines in Australien) keine Sternbilder wie bei uns beschrieben, sondern die Dunkelwolken als Orientierungshilfe verwendet. So wurde von ihnen die Kohlensack-Region als Kopf des Emus (flugunfähige Vogelart aus der Gruppe der Laufvögel) bezeichnet, dessen Hals und Körper über dem Südhimmel zu erkennen ist und sich bis zum Sternbild Skorpion erstreckt. Dies kommt auf dem heutigen Foto des Monats ebenfalls gut heraus. Hat man so etwas noch nicht gesehen, ist man im ersten Moment von dem Himmel erschlagen und begeistert zugleich.

Neben der so gut wie nicht vorhandenen Lichtverschmutzung ist aber auch das Seeing und die Transparenz dort einmalig. Daher habe ich mich einmal an einem Milchstraßenmosaik versucht, welches auf meiner AstroTrac-Reisemontierung mit meiner Spiegelreflexkamera angefertigt wurde. Eingeplant wurde dabei eine Brennweite von 40 mm, um möglichst das Band der Milchstraße an der fotografierten Stelle von der Breite komplett abdecken zu können. So wurde die südliche Milchstraße vom falschen Kreuz des Südens und dem Eta-Carina-Nebel über die Kohlensack-Region zum Sternbild Skorpion bis hin zum Lagunennebel und darüber hinaus (M16/M17) abgelichtet. Das ist genau die Hälfte der Milchstraße, die von unseren Breitengraden nicht bzw. teilweise nur in wenigen Wochen teilweise gesehen werden kann. So lassen sich nur der Adlernebel (M16) oder der Omega-Nebel (M17) gerade noch im Juli/August beobachten und Bereiche des Skorpions sind sichtbar. Aber quasi alles ab der Position des Jupiters, der als hellster „Stern“ auf dem Bild gut zu erkennen ist, angefangen mit dem Hummer- und Katzenpfoten-Nebel, bleibt von der Nordhalbkugel aus Deutschland heraus unsichtbar. So entstanden neun Bildabschnitte, die jeweils mit einer Stunde belichtet und separat bearbeitet wurden, um sie anschließend zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Im Original besitzt bereits das JPEG-Bild eine Speichermenge von 160 Mbyte, in die man nach Belieben hineinzoomen kann, die hier allerdings auf webseitenfreundliche 3,6 Mbyte reduziert wurden.

Aufnahmedaten:

Optik: Sigma 17-50 mm F2,8 EX DC OS HSM Objektiv
Kamera: Canon 700Da (modifiziert) bei 800 ASA
Brennweite: 38-40 mm
Montierung: AstroTrac TT320X-AG
Öffnungsverhältnis: 1/4
Filter: Klarglasfilter von Astronomik
Bildanzahl: 190
Belichtung pro Bild: 3 min
Gesamtbelichtungszeit: 9,5 Stunden
Aufnahmeort: Astrofarm Kiripotib, Namibia vom 02. bis 05. Juni 2019

© Foto und Text: Dr. Kai-Oliver Detken (AVL)

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