SOFIA, das fliegende Stratosphären-Observatorium über Lilienthal

SOFIA, das fliegende Stratosphären-Observatorium über Lilienthal

Foto des Monats März 2021

Am 31. Januar 2021 hatte ich das Glück, die weltweit einzigartige „Sternwarte“ der NASA und DLR in Lilienthal fotografieren zu können. Auf dieses besondere Ereignis machte mich ein Freund aufmerksam, der das Beobachten und Fotografieren von Flugzeugen zu seinen Hobbys zählt. Bei dem Objekt handelt es sich um die zu einem Stratosphären Observatorium für Infrarot-Astronomie umgebaute Boeing 747.

Auf der Handy-App "Flightradar24" war zu erkennen, dass das Flugzeug mit der Kennung N4747NA gegen 10:35 Uhr in Hamburg-Fuhlsbüttel startete und sich nun im Luftraum über Bremen befand. An diesem klaren Tag ließ sich die Boeing gleich mehrfach über unserer Gemeinde und im Bremer Raum beobachten. Als sie am späten Nachmittag erneut in nur 3,3 Kilometern Höhe über Lilienthal flog, konnte ich von ihr den Lichtverhältnissen entsprechende Fotos machen. Nach einem 6-Stunden-Flug landete sie wieder in Hamburg.

Von diesem Flugzeugtyp wurden seinerzeit nur sehr wenige gebaut. Es handelt sich hier um die Short-Version der Boeing 747 mit der Bezeichnung 747SP-21 (Special Performance). Sie hat eine größere Reichweite und kann aufgrund ihrer Eignung für größere Flughöhen bis zu 14 Kilometer über die für die Infrarotfotografie störenden Schichten mit Wasserdampf fliegen. Die 44 Jahre alte Maschine wurde im Auftrag der NASA zu einer fliegenden Sternwarte umgebaut, um Fotos im Infrarotbereich zu machen und verschiedene Messungen im Luftraum durchzuführen. Ihr Heimatflughafen ist der NASA-Stützpunkt in Palmdale / Kalifornien. Sie ist seit 2010 im Einsatz.

Das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie (SOFIA) ist die weltweit einzige fliegende Sternwarte. Sie hat ein 17 Tonnen schweres, in Deutschland entwickeltes und hergestelltes Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 2,70 Meter an Bord. Es handelt sich hier um eine Kombination aus einem Newton- und einem Cassegrain-Teleskop. Damit wurden schon spektakuläre Fotos im Infrarotbereich von Gasnebeln und Sternentstehungsgebieten gemacht, wissenschaftliche Daten in Planetarischen Nebeln gesammelt und Wasser auf dem Mond nachgewiesen.
Zwei 4 x 4 Meter große Luken für die Aufnahmen und Messungen befinden sich hinter den Tragflächen. Das Teleskop ist durch ein Druckschott von der übrigen Kabine im vorderen Teil des Flugzeuges getrennt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war die Luke auf der linken Seite geöffnet. Messungen erfolgen vor allem mit dem German Receiver for Astronomy at Terahertz Frequencies (GREAT), einem Empfänger für spektroskopische Ferninfrarot-Beobachtungen in einem Frequenzbereich von 1,25 bis 5 Terahertz. Dieser kann die Konzentration von atomarem Sauerstoff in der Mesosphäre und unteren Thermosphäre messen. Mit entsprechenden Satelliteninstrumenten lassen sich auch kosmische Magnetfelder im Infrarotbereich feststellen. Die ESA (European Space Agency) fördert aktiv die Entwicklung dieser Technologien für künftige Satellitenmissionen.

Aufnahmedaten:
Kamera: Canon 5DSR
Objektiv: Sigma Zoom 150-600mm f/5-6,3 DG OS HSM Contemporary
Datum und Zeit: 31.01.2021, 16:43 Uhr
Belichtungsdaten: 1/800 s, f/6,3, F= 562mm, 200 ISO

© Foto und Text: Jürgen Ruddek (AVL)

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