Milchstraße über den Roques de García auf Teneriffa
Astroobjekt des Monats August 2026
Zum Geburtstag hatte sich Jan Sokoll von seiner Partnerin einen nächtlichen Ausflug zu den Roques de García gewünscht, um dort gemeinsam die Milchstraße zu fotografieren. Die bizarr geformte Felsgruppe liegt auf etwa 2.100 Metern Höhe inmitten der Caldera Las Cañadas im Teide-Nationalpark. Der Himmel über der Hochfläche ist außergewöhnlich dunkel und klar. Häufig liegt unterhalb des Teide eine Inversionsschicht, die einen großen Teil der Luftfeuchtigkeit und der Schwebstoffe in tieferen Luftschichten zurückhält. Darüber bildet sich oft ein Wolkenmeer, das zugleich einen erheblichen Teil des Streulichts der Küstenorte abschirmen kann – sehr gute Voraussetzungen für astronomische Beobachtungen und die Astrofotografie. Bei Temperaturen um vier Grad Celsius war allerdings Winterkleidung erforderlich.
Die Fahrt hinauf in den Nationalpark begann am 14. April bereits um 3:30 Uhr. Gegen 5:10 Uhr entstand die hier gezeigte Aufnahme. Die zentrale Region der Milchstraße erhebt sich neben dem Roque Cinchado, dem markantesten Felsen der Formation, der auch als „Finger Gottes“ bezeichnet wird. Sternenhimmel und vulkanische Landschaft verbinden sich so zu einer für Teneriffa charakteristischen Szenerie. Bereits am Vortag war der Aufnahmeort bei Tageslicht sorgfältig erkundet worden. Dadurch ließ sich in Ruhe eine Position bestimmen, von der aus die Felsen einen wirkungsvollen Vordergrund bilden und die Milchstraße in der gewünschten Richtung über der Landschaft aufsteigt. Diese Vorbereitung war besonders wichtig, da die Bildkomposition in völliger Dunkelheit schwieriger zu beurteilen und die verfügbare Zeit am frühen Morgen begrenzt war.
Mitte April sind die Bedingungen für Aufnahmen des galaktischen Zentrums noch nicht ideal. Die zentrale Milchstraßenregion steigt erst in der zweiten Nachthälfte ausreichend hoch über den südöstlichen Horizont; auch das Sternbild Skorpion mit der Antares-Region steht dann zunächst noch relativ tief. Gegen 5:10 Uhr rückten zudem Mondaufgang und Morgendämmerung bereits näher. Der richtige Aufnahmezeitpunkt war deshalb entscheidend.
Das Zentrum unserer Galaxie liegt von der Erde aus gesehen im Sternbild Schütze und ist rund 26.700 Lichtjahre entfernt. In seinem Inneren befindet sich Sagittarius A*, ein supermassereiches Schwarzes Loch mit mehr als vier Millionen Sonnenmassen. Dunkle Staubwolken verdecken große Teile des dahinterliegenden Sternenlichts und erzeugen die auffälligen Strukturen innerhalb des Milchstraßenbandes.
In der benachbarten Antares-Region im Sternbild Skorpion befinden sich zahlreiche Gas- und Staubwolken. Antares selbst ist ein rötlich leuchtender Überriese. Zusammen mit dem Rho-Ophiuchi-Wolkenkomplex bildet seine Umgebung eine der farbenreichsten Regionen des Nachthimmels. Da das Bild mit einer nicht astromodifizierten Kamera und ohne zusätzlichen astronomischen Filter entstand, treten die tiefroten H-Alpha-Emissionsgebiete vergleichsweise zurückhaltend hervor.
Vom selben Standort aus konnte in dieser Nacht außerdem der Komet C/2025 R3 (PANSTARRS) fotografiert werden. Während des anschließenden Sonnenaufgangs über dem Wolkenmeer überreichte die Partnerin noch einige Geburtstagsgeschenke als Abschluss einer rundum erfolgreichen und unvergesslichen Astro-Geburtstagsnacht. Zurück in der Unterkunft begann der wohlverdiente Schlaf schließlich erst kurz vor zehn Uhr morgens.
Aufnahmedaten:
Kamera: Sony α7 IV, nicht astromodifiziert
Objektiv: Sony FE 20 mm F1.8 G
Blende: f/2
ISO: 3.200 ASA
Aufnahmeserie Bildhintergrund: 30 Bilder zu je 8 s
Aufnahmeserie Bildvordergrund: 1 Aufnahme, 30 s
Ort: Roques de García, Teide-Nationalpark, Teneriffa
Datum: 14. April 2026 gegen 5:10 Uhr
© Foto und Text: Jan Sokoll (AVL)