Der Crescent-Nebel als Gemeinschaftsprojekt

Der Crescent-Nebel als Gemeinschaftsprojekt

Im August nahm ich mein erstes "First Light" mit meinem neuen APO130 auf, um die Qualität und Handhabung auszuprobieren. Dabei kamen verschiedene Neuerungen zum Einsatz, die ich bisher so noch nicht verwendet hatte. So wurde die Fokussierung mittels der Cuzdi-Maske vorgenommen und es wurde zum ersten Mal Autoguiding getestet. Vorher waren alle meine Aufnahmen immer ohne Autoguiding ausgekommen, da ich relativ kurze Belichtungszeiten (30-60 sec) bei kurzer Brennweite (420 mm) genutzt habe. Jetzt waren es aber 719 bzw. 910 mm, was bei längeren Belichtungszeiten (5-10 min) ein Autoguiding notwendig werden lässt. Da in der VdS-Mailingliste gerade ein Gemeinschaftsprojekt (mehrere Hobby-Astronomen fotografieren an unterschiedlichen Orten dasselbe Objekt) diskutiert wurde, sprach ich Mark Schocke an, ob wir so etwas nicht noch einmal wiederholen wollten. Eine Zusammenarbeit hatte es bereits beim Rosettennebel gegeben, wobei sich hierbei die Optiken und Montierung sehr stark unterschieden, weshalb die Bildzusammenführung Schwierigkeiten bereitete. Dieses Mal waren wir von der Brennweite und Montierungsqualität nicht mehr weit voneinander entfernt, weshalb ich es noch einmal versuchen wollte. Schnell wurde ein interessantes Objekt gefunden, welches wir beide aufnehmen wollten: der Crescent-Nebel im Sternbild Schwan.

Dieser Nebel ist ein sog. Emissionsnebel, der 4.700 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Neben der Bezeichnung Crescent-Nebel, ist auch der Name Sichelnebel für ihn geläufig. Er wurde 1792 von Wilhelm Herschel entdeckt. Der Nebel entsteht, weil er von einem Wolf-Rayet-Stern (WR-Sterne) beleuchtet und das Gas des Nebels von diesem Stern abgestoßen wird. WR-Sterne besitzen freigelegte Kerne und waren einmal sehr massereich. Die bisher gemessenen Massen liegen zwischen 10 und 265 Sonnenmassen! Die Oberflächentemperatur liegt zwischen 30.000 und 120.000 Kelvin. WR-Sterne stoßen eine große Menge an Materie in ihre Umgebung ab, wobei die Sternwinde durch die eigene Strahlung auf bis zu 4.000 km/s beschleunigt werden. Sie werden in zwei Hauptkategorien unterteilt: Emissionslinien des Heliums und mehrfach ionisierten Stickstoff (WN-Typ) und Emissionslinien des Sauerstoffs und mehrfach ionisierten Kohlenstoffs (WC-Typ). Der Crescent-Nebel besitzt daher einen WR-Stern des WN-Typs. Der Emissionsnebel entsteht, weil er selbst das Licht in verschiedenen Farben emittiert. Er wurde lange Zeit als Überrest einer Supernova angesehen, was widerlegt wurde, als man in seinem Zentrum einen WR-Stern fand.

Nachdem wir uns auf das Objekt geeinigt hatten, fingen wir im August an, erste Testaufnahmen zu machen. Schließlich musste die Belichtungszeit und die ISO-Empfindlichkeit getestet werden. Da Mark Schocke in Oberhausen (hohe Lichtverschmutzung des Ruhrgebiets) seine Bilder macht, bestand die Idee darin, in Grasberg Farbbilder mit meiner DSLR-Kamera zu gewinnen und in Oberhausen mit Schmalbandaufnahmen einer CCD-Kamera vornehmlich die Struktur aufzunehmen. Dies wurde dann Ende August und im September auch konsequent umgesetzt. Während Mark Schocke mit seinem 800 mm Newton H-Alpha- und OIII-Aufnahmen in Falschfarben sammelte, fing ich an in diversen Nächten Farbaufnahmen mit meinem APO-Refraktor bei 719 mm zu gewinnen. Nach 43 Bildern mit jeweils 5 min Aufnahmedauer hatte ich dann Mitte September ausreichend Material gesammelt, während Mark Schocke 60 Bilder mit jeweils 15 min Aufnahmedauer produzierte. Wir kamen so insgesamt auf 18,5 Stunden Belichtungszeit! Ein bisher für mich persönlich unerreichter Wert. Das sich die Investition gelohnt hat, zeigt das abschließende Ergebnis, welches von Mark Schocke in PixInsight zusammengeführt wurde. Da Mark die Bilder per Maximum kombiniert hat, ist die Farbe der kleinen Sichel selbst auch von seinen H-Alpha-/OIII-Aufnahmen gekommen, wodurch der Nebel noch plastischer wirkt.

Auch dieses Gemeinschaftsprojekt machte wieder viel Spaß und motivierte entsprechend oft nach draußen zu gehen. Schließlich wollte man ja genug Bildmaterial sammeln, bevor sich der Crescent-Nebel von dieser Jahreszeit verabschiedet. Von daher wird es wohl auch in Zukunft weitere gemeinsame Projekte geben.                             

Aufnahmedaten:

Equipment in Grasberg von Kai-Oliver Detken

Montierung: iOptron CEM60, Autoguider: Lacerta M-GEN V2, Refraktor: TS Photoline 130 mm Triplet APO, Öffnungsverhältnis: 1/5,53, Kamera: Canon 1000Da, 800 ASA

Equipment in Oberhausen von Mark Schocke

Montierung: Losmandy G11, Autoguider: SX Lodestar, Newton: 200/800 mm ohne Namen, Kamera: Moravian G2-8300

Foto: © Dr. Kai-Oliver Detken (AVL), Mark Schocke (VdS)

Text: Dr. Kai-Oliver Detken 

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