Molekülwolken und ionisierte Wasserstoffgebiete im Cepheus an der Grenze zum Schwan

Molekülwolken und ionisierte Wasserstoffgebiete im Cepheus an der Grenze zum Schwan

 Unterhalb der Bildmitte dominiert der Emissionnebel um den offenen Sternhaufen IC1396. Diese HII-Region wird manchmal auch "Cepheus Bubble" genannt. Innerhalb der rot erscheinenden Nebelregion liegt rechts der Mitte etwas auf 15 Uhr Position die berühmte Globule IC1396A oder Elefantenrüsselnebel. Bei dem gelben hellen Stern am oberen Nebelrand handelt es sich um mue-Cephei. Vermutlich ist dieser rote Überriese einer der größten und hellstern Sterne überhaupt. Seine Leuchtkraft wird mit der mehr als der 100.000fachen Sonnenleuchtkraft und sein Radius mit über 1.200 Sonnenradien angegeben.

Es wurde versucht den Bildausschnitt so zu wählen, dass noch weitere weniger häufig fotografierte Objekte erfasst werden. In der rechten oberen Bildhälfte befindet sich Sh2-129  oder der "Flying Bat Nebula". Auch hier handelt es sich um ein Gebiet mit ionisiertem Wasserstoff (HII). Auf längerbelichteten Aufnahmen kann man diesem vorgelagert noch eine bläulich erscheinende Nebelstruktur - den 2011 entdeckten "Squid Nebula" - erkennen. Für diesen im Licht des zweifach ionisierten Sauerstoffs (OIII) strahlenden Emssionsnebel hat die Belichtungszeit dieser Aufnahme aber weitem nicht ausgereicht.

Zwischen Sh2-129 und IC1396 liegt ein bläulich diffus erscheinender Stern. Auf höher aufgelösten Aufnahmen ist erkennbar, das es sich um einen in einem blauen Nebel eingebetteten Stern handelt. Interessant an diesem Nebel ist, dass es sich um einen Reflexionsnebel handelt, der sich in einer Wasserstoffregion befindet. Dieser Nebel ist seiner Natur entsprechend im erstmals 1966 veröffentlichten "van den Bergh Reflection Nebulae Catalog" unter der Nummer VdB140 verzeichnet.

Links oberhalb von IC1396 befinden sich Gebiete mit mehreren großen Dunkelwolken. Dominierend sind hier die Anteile von B169,170 und 171. Es befinden sich aber weitere Dunkelwolken über das gesamte Bild verteilt. Diese nicht- oder schwach leuchtenden Staub- und Molekülwolken heben sich vor dem allgemeinen Trubel unserer hier recht "lichtverschutzten" Milchstraße fast schwarz ab.


Zur Aufnahme

Die vorliegende Aufnahme wurde in der Nacht auf den 08.05.2016 von Kai Wicker mit einer astromodifizierten Canon EOS5D MkII in Bremen-Borgfeld aufgenommen. Das Objektiv war ein Canon EF-L 200mm f/2,8 abgeblendet auf f/4,0 und zur Unterdrückung der irdischen Lichtverschmutzung wurde ein Astronomik CLS Filter verwendet.

Aufgenommen wurden 31x4min bei 800ASA. Bei dieser "Empfindlichkeit" ist das Rauschen des CMOS-Chips der Kamera noch recht gering. Nachgeführt wurde auf einer Vixen GP-D2 mit Eigenbau-Motorsteuerung durch einen Lacerta M-GEN, der hier nur über ein 100mm f/2,8 Objektiv des Herstellers Kowa verfügte. Die Aufnahmen wurden "gedithert", d.h. nach jeder Einzelaufnahme wurde die Einstellung des Bildausschnittes stochastisch um einige Pixel verschoben. Das hat zur Folge, dass sich bei der nachfolgenden Bildverarbeitung störende Pixel, über die jeder Bildsensonsor verfügt, einfacher herausrechnenen lassen. Deswegen konnte hier auf die Anfertigung von Darkframes verzichtet werden.

Die Bildbearbeitung erfolgte im Wesentlichen in Pixinsight. Nach Kalibrierung (nur mit Offset- und Flatframes) und Stacking wurde die Farbe kalibriert. Noch im linearen Bereich wurde mittels "k-sigma noise thresholding" sorgfältig das Rauschen reduziert. Hier wurde bewusst nicht "entrauscht" da ein völliges Entfernen aller Rauschanteile einen unnatürlichen Bildeindruck ergibt. Nach einen vorsichtigem Strecken wurden die Nebelgebiete mittels eines Verfahrens von G. Wechselberger weiter gestreckt. Unter dem Einsatz von verschiedenen Masken wurde die Sättigung angpasst um, ohne auf einen harmonischen Gesamteindruck zu verhindern, die HII-Regionen deutlicher hervorzuheben. In Photoshop wurde manuell ein letzter Rest eines Gradienten entfernt und letzte kleine Anpassungen vorgenommen. Die für die Bildbearbeitung eingesetzte Zeit liegt sicher bei einem Vielfachen der Belichtungszeit.

Foto und Text: Kai Wicker (AVL)

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