NGC 6995 - nur ein kleiner Teil des Zirrusnebels

NGC 6995 - nur ein kleiner Teil des Zirrusnebels

Foto des Monats Oktober 2019

Der wohl vielen bekannte Zirrusnebel im Sternbild Schwan setzt sich aus verschiedenen Teilgebieten zusammen. Auch wenn der gesamte Komplex ein einziges Ereignis als Entstehungsgrundlage aufweist, sind es doch verschiedene Bereiche, die nacheinander gefunden wurden. Was war geschehen? Heute wissen wir, dass damals ein Stern am Ende seines Daseins in einer ungeheuren Explosion sein Leben aushauchte. In einer gewaltigen Supernova-Explosion schleuderte dieser Stern den größten Teil seiner Masse ins All. Dass wir davon überhaupt etwas wissen, liegt einzig und allein an dem Vorhandensein seiner Überreste. Die allerdings lassen uns heute einen Einblick in die Mechanismen des Werdens und Vergehens der Sterne nehmen, wie es sonst nicht möglich wäre. Im Sternbild des Schwans, Cygnus finden wir diese Überreste wieder. Sie bilden einen der eindrucksvollsten und schönsten Galaktischen Nebel die wir kennen: den Cirrusnebel-Komplex.

Am 5. September 1784 entdeckte Wilhelm Herschel mit Hilfe seines 47,5-cm-Spiegelteleskopes die ersten Strukturen im östlichen Teilbogen des Cirrusnebels. Dieser Nebelbogen wurde als NGC 6992 in Dreyers NGC-Katalog aufgenommen. Zwei Tage später konnte er den westlichen Teil um 52 Cygni ausmachen. Als NGC 6960 wurde dieses Gebiet eingetragen. Noch in derselben Nacht konnte Herschel zwischen den beiden neu gefundenen Nebeln eine weitere Aufhellung feststellen, und zwar 2 Grad nordöstlich von 52 Cygni, den später als NGC 6979 eingetragenen mittleren Anteil des Cirrusnebel. Dieser Teil wird auch als "Pickering's Triangular Wisp" bezeichnet. John Herschel, der Sohn Wilhelms, entdeckte schließlich im Jahre 1825 mit dem Teleskop seines Vaters den Teil, der direkt an den östlichen Bogen südlich anschließt. Als NGC 6995 wurde dieser Teil registriert. Dieser Teilbereich ist es also, der hier in dieser Aufnahme dargestellt ist.

Ich hatte die verschiedenen Teilbereiche schon vor vielen Jahren abbilden können. Nun aber wollte ich diesen südlichen Teil des östlichen Bogens in einer hoch aufgelösten Version aufnehmen. Da der gesamte Komplex in schmalen Wellenbereichen des sichtbaren Lichts strahlt, kamen die entsprechenden Filter zum Einsatz. Es wurde eine Version erzeugt, die man als Hubble-Palette bezeichnet. Die Spezialisten der NASA, die die Betreiber des Hubble-Teleskops sind, haben diese Bildbearbeitungsform erfunden. Und da wir Amateure dieselben Aufnahmemethoden verwenden, bedienen wir uns sehr gerne ebenfalls dieser Möglichkeit.

Hierbei werden Schmalbandfilter für die Elemente Wasserstoff, Sauerstoff und Schwefel verwendet. Die aufgenommenen Wellenbereiche werden folgendermaßen bezeichnet:

Ionisierter Wasserstoff H-α, ionisierter Sauerstoff [O-III] und ionisiertes Schwefelgas [S-II].
[S-II] wird dem Rotkanal, H-α dem Grünkanal und [O-III] dem Blaukanal zugewiesen.

Heraus kommt dabei die besagte Version als Hubblepalette, die auch als Falschfarbenversion bezeichnet wird. Denn ganz klar muss gesagt sein, dass die natürlichen Sternfarben und ebenso die Nebelfarben nicht den tatsächlichen Farben entsprechen können. Sehr wohl, und das ist der Grund dieser Technik, kommen die Kontraste der verschieden Nebelanteile dabei besonders strukturiert heraus.

Aufnahmedaten:
August 2019 in vier Nächten
H-α: 27x 10 min, [O-III] und [S-II] je 12x 10 min
Kamera: Atik 460 EXm
Teleskop: 14"-Newton bei 1200 mm Brennweite

© Foto und Tex: Gerald Willems (AVL) 

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