Sieben Schwestern in Kalifornien

Sieben Schwestern in Kalifornien

Astroobjekt des Monats März 2026

 

Im Winter zieht sich ein besonders reizvolles Himmelsfeld durch das Sternbild Stier: die Plejaden (M 45) und der weiter nördlich gelegene California-Nebel (NGC 1499). Beide Objekte wirken auf den ersten Blick wie Teil eines gemeinsamen Komplexes, unterscheiden sich physikalisch jedoch deutlich. Genau dieser Kontrast macht die Kombination fotografisch so spannend.

Bild 1: Zweiteiliges Mosaik von Plejaden- und California-Nebel-Umgebung
Bild 1: Zweiteiliges Mosaik von Plejaden- und California-Nebel-Umgebung

Die Plejaden sind ein etwa 440 Lichtjahre entfernter, offener Sternhaufen mit sehr jungen, heißen Sternen. Das markante blaue Leuchten entsteht durch Reflexion. Feiner interstellarer Staub streut das Licht der Sterne und erzeugt die charakteristischen Nebelstrukturen. Es handelt sich dabei nicht um Reste der ursprünglichen Entstehungswolke, sondern um Material, durch das sich der Sternhaufen derzeit bewegt. Fotografisch zeigt sich hier vor allem der Kontrast zwischen den hellen Sternen und den zarten, bläulichen Staubschleiern. Der California-Nebel ist dagegen ein ausgedehntes Emissionsnebelgebiet in rund 1.000 Lichtjahren Entfernung. Mit einer scheinbaren Ausdehnung von etwa 2,5 Grad übertrifft er den Vollmond deutlich an Größe. Seine rötliche Färbung stammt von ionisiertem Wasserstoff, der durch energiereiche Strahlung angeregt wird und in der Hα-Linie leuchtet. Visuell ist dieses Objekt äußerst schwierig, fotografisch jedoch insbesondere mit Hα-Unterstützung sehr eindrucksvoll darstellbar.

Zwischen beiden Objekten erstrecken sich weitläufige Dunkelnebel und Staubwolken, die das Sternfeld strukturiert durchziehen. Diese interstellaren Staubkomplexe absorbieren und streuen das Licht dahinterliegender Sterne und erscheinen dadurch als bräunlich-graue, teils filamentartige Strukturen. Sie gehören zu großräumigen Molekülwolken unserer Milchstraße und verleihen dem gesamten Bildfeld zusätzliche Tiefe. Gerade im Übergangsbereich zwischen den Plejaden und dem California-Nebel zeigt sich, wie unterschiedlich interstellare Materie auftreten kann, reflektierend, emittierend oder lichtabsorbierend.

Dieses Bild wurde an Heiligabend unter klarem Himmel aufgenommen. Die unerwartet guten Bedingungen mit ruhiger Luft und hoher Transparenz ermöglichten eine mehrstündige Aufnahmesession. In der Astrofotografie sind solche Zeitfenster selten planbar und müssen genutzt werden, wenn sie sich bieten. Um beide Objekte in hoher Auflösung gemeinsam abzubilden, wurde ein zweiteiliges Mosaik erstellt. Zum Einsatz kam eine modifizierte Nikon D800 in Kombination mit dem Samyang 135 mm f/2 auf einer Star Adventurer 2i. Zwei überlappende Panels deckten das Gesamtfeld ab. Ergänzt wurde die Aufnahme durch einen separaten Hα-Layer mit Filter, um die Emissionsanteile des California-Nebels gezielt herauszuarbeiten. Die Brennweite von 135 mm erlaubt eine ausgewogene Darstellung. Sie ist groß genug für Details und gleichzeitig weit genug für das Zusammenspiel beider Objekte.

Die Verarbeitung erfolgte zunächst in Siril. Dort wurden die einzelnen Aufnahmeserien gestackt, per Platesolving exakt ausgerichtet und anschließend zu einem Mosaik kombiniert. Es folgten Hintergrundkorrektur, Streckung und Rauschreduktion. Für die weitere Bearbeitung wurden Sterne und Nebel getrennt, um beide Bereiche unabhängig kontrollieren zu können. In Affinity Photo wurden schließlich drei Ebenen, Sterne, RGB-Nebel und Hα zusammengeführt und fein aufeinander abgestimmt. Auf diese Weise ließ sich die Wasserstoffemission und Dunkelnebel betonen, ohne die natürliche Farbwirkung der Plejaden zu überzeichnen.

Der Beitrag zeigt neben dem fertigen Mosaik auch mehrere Zwischenschritte. Zu sehen sind die RAW-Exporte, die einzelnen Stacks, das zusammengesetzte Mosaik direkt nach der Fusion sowie eine sternreduzierte Version. Diese Einblicke verdeutlichen, wie aus einzelnen Datensätzen Schritt für Schritt ein Gesamtbild entsteht.

Das gemeinsame Feld von Plejaden und California-Nebel verbindet Reflexions- und Emissionsnebel auf engem Raum und zeigt damit unterschiedliche Erscheinungsformen interstellarer Materie. Ergänzt durch die markanten Dunkelnebelstrukturen dazwischen entstand ein klassisches, aber technisch anspruchsvolles Wintermotiv.

Aufnahmedaten:

    Kamera: Nikon D800 astromodifiziert
    Objektiv: Samyang 135mm f2
    Montierung: Skywatcher Star Adventurer 2i Pro

    Mosaik Panels:
    Öffnungsverhältnis: 1:2,8
    ISO: 800 ASA
    Belichtungszeit: 30 x 90 s (45 Minuten)

    H-Alpha:
    Filter: Astronomik H-alpha 12nm Clip-Filter Nikon XL
    Öffnungsverhältnis: 1:2,8
    ISO: 1.600 ASA
    Belichtungszeit: 30 x 150 s (75 Minuten)

    Ort: Worpswede
    Datum: 24. Dezember 2025

© Text und Bild: Felix Widera (AVL)

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