Spaghettinebel (Sh2-240)
Astroobjekt des Monats April 2026
Der Spaghettinebel (Sh2-240), der auch als Simeis 147 bezeichnet wird, ist ein galaktischer Supernovaüberrest in den Sternbildern Stier und Fuhrmann. Sh2-240 hat eine scheinbare Ausdehnung von etwa 3 Grad, was einer Ausdehnung von ca. 220 Lichtjahren bei einer Entfernung von geschätzten 4.500 Lichtjahren entspricht. Sein Alter wird mit etwa 40.000 Jahren angegeben. Im Januar gab es eine Schönwetterperiode, an dem der sehr lichtschwache Nebel abgelichtet werden konnte. So entstand in vier Nächten eine 30-Stunden-Aufnahme.
Der Nebel des Supernovaüberrestes wurde im Jahr 1952 im Krim-Observatorium in Simejis von den Astronomen russischen Astronomen Grigory Abramovich Shajn und Vera Fedorovna Gaze mithilfe einer Schmidt-Kamera und H-Alpha-Filter entdeckt, weshalb er auch als Simeis 147 bezeichnet wird. In ihrem 1955 veröffentlichten „Gaze-Shajn-Katalog der Emissionsnebel“ führen sie den Nebel 74 mit der folgenden Anmerkung auf: „Das System feinfilamentärer, bogenförmiger Nebel bildet einen nahezu geschlossenen Kreis von ca. 3 Grad.“
In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre stieß der amerikanische Astronom Stewart Sharpless bei der Durchsicht der Fotoplatten der „Palomar Observatory Sky Survey“ ebenfalls auf diesen Nebel, während er nach H-II-Regionen suchte. Er führte ihn als Sh2-240 auf und veröffentlichte ihn 1959 zusammen mit insgesamt 313 H-II-Regionen in seinem Katalog. Er gab eine Größe von 180 Bogenminuten im Durchmesser an, kreisförmige Form, filamentöse Struktur, mittlere Helligkeit und bemerkte: „Eigenartiger filamentöser Nebel. Radiosignalquelle.“
Rudolph Minkowski konnte ihn dann 1958 letztendlich als Supernovaüberrest klassifizieren. Mithilfe des 305 m großen Radioteleskops im Arecibo-Observatorium, das 2020 kollabierte und 2023 abgebaut wurde, konnte man im Jahr 1994 im inneren des Supernovaüberrestes einen Pulsar beobachten, der bei der Supernova aus dem Kern des Vorgängersterns entstanden ist. Anhand des Pulsars wurden im Jahr 2007 und 2009 Entfernungsbestimmungen durchgeführt, die jedoch durch eine Entfernungsbestimmung mittels Spektroskopien am Nebel im Jahr 2024 in der Genauigkeit übertroffen wurde. Seine Flächenhelligkeit ist bislang unbekannt bzw. wird nicht angegeben.
Auf den durchgeführten Einzelaufnahmen ließ sich der Nebel nicht erkennen. Die Aufnahmen wurden jeweils die ganze Nacht mittels automatischem Meridian-Flip durchgeführt, der durch die StellaVita gesteuert wurde. Die sehr starken Polarlichter am 19. und 20. Januar hatten dabei keinen Einfluss auf die Aufnahmen, da der Nebel in einem Himmelsbereich aufgenommen wurde, der nur wenig beeinträchtigt wurde. Eine leichte Erhellung der Bilder war aber während der Polarlichtaktivitäten trotzdem zu erkennen.
Aufnahmedaten:
Aufnahmeort und -zeit: Grasberg am 18., 19., 20. und 21. Januar 2026
Montierung: iOptron GEM28
Teleskop: William Optics RedCat 71 Apo
Brennweite: 350 mmm
Kamera: Lacerta DeepSkyPro2600c
Filter: Optolong 2" L-eXtreme Schmalband Nebelfilter
Belichtung pro Bild: 5 min
Bildanzahl: 361
Gesamtbelichtungszeit: 30 Stunden
Gain: 100 (High Conversion Gain - HCG)
Autoguiding: PHD2-Guiding über StellaVita
Aufnahmesoftware: StellaVita 1.1.67
© Text und Bild: Dr. Kai-Oliver Detken (AVL)