Sternbild Cassiopeia mit Pacman-Nebel

Sternbild Cassiopeia mit Pacman-Nebel

Foto des Monats Oktober 2021

Diese Aufnahme für das Foto des Monats (FdM) enthält nach längerer Zeit mal wieder eine Weitwinkel- und keine Detailaufnahme. Sie wurde in Norditalien während eines Urlaubs im August 2021 angefertigt und zeigt das Sternbild Cassiopeia bzw. viele weitere Objekte, die sich in diesem Sternbild befinden. Dabei kamen mehrere Foto-Komponenten zu ihrem „First Light“: zum einen wurde das 24-70 mm Zoomobjektiv von Canon bzgl. seiner Sternabbildung getestet und zum anderen kam eine frisch modifizierte Spiegelreflexkamera zum Einsatz, die damit nun astromodifiziert (d.h. Entfernung des IR-Sperrfilters) ist. Zusätzlich wurde ein neuer Clip-Filter ausprobiert, der als Schmalband-Nebelfilter bezeichnet wird. Des Weiteren wurde die altbewährte AstroTrac-Reisemontierung zum ersten Mal per Autoguiding angesteuert. Daher musste ein zusätzliches Guiding-Scope an der Kamera angebracht werden. Es standen also bei dieser Aufnahme mehrere Prämieren im Vordergrund.

Die Aufnahme entstand an einem relativ lichtverschmutzten Ort am Lago Maggiore. Daher war ein Filter gegen Lichtverschmutzung sowieso Pflicht. Bisher habe ich dabei immer auf einen CLS-Filter vertraut. Dieses Mal hingegen wurde der neue Schmalbandfilter von Optolong L-eNhance verwendet, der die Emissionslinien von Hα, Hβ und [OIII] isoliert und dadurch Kontinuums- und Schwefellinien ausblendet. Damit werden die Farben von Nebelregionen erhalten bzw. kontrastreicher dargestellt. Der Filter wird dabei direkt in das Kameragehäuse eingesetzt, so dass verschiedene Objektive davon profitieren können. Zur Ansteuerung der Kamera und zum Autoguiding wurde die M-GENV3 von Lacerta verwendet. Zwar kann die AstroTrac, wie eine typische Reisemontierung, nur in einer Achse bei der Nachführung korrigiert werden. Aber bei höheren Brennweiten macht sich auch dies positiv bemerkbar. In diesem Fall, bei 70 mm Brennweite, war dies aber eigentlich nicht notwendig wie sich herausstellte, da die AstroTrac eine ausreichende Nachführgenauigkeit besitzt.

Auf der Aufnahme selbst sind nun die fünf Hauptsterne Segin, Ruchbah, Tsih, Schedir, Caph (von unten links begonnen, sie auch das Zusatzbild) des Sternbilds Cassiopeia, die ein markantes W am Nordhimmel bilden, gut zu erkennen. Seinen Namen hat das Sternbild aus der griechischen Mythologie, in der Kassiopeia die Frau des Königs Kepheus und die Mutter der Andromeda ist. Diese Region ist sehr sternreich, da sich die Milchstraße durch das Sternbild zieht. Daher sind auf diesem Bild einige Objekte gut erkennbar, die auf dem Zusatzbild auch gekennzeichnet werden.

Als erstes fällt der Pacman-Nebel (Sh2-184) auf, der unterhalb der Hauptsterne ins Auge sticht. Es handelt sich bei ihm um einen Emissionsnebel, der eine gewisse Ähnlichkeit mit der bekannten gleichnamigen Videospiel-Hauptfigur besitzt, weshalb man ihn in der Astroszene so genannt hat. Mit Sh2-185 hat es auch ein Reflektionsnebel auf das Bild geschafft. Er ist auf der Aufnahme beim Hauptstern Tsih zu erkennen und ist wesentlich lichtschwächer als der bekanntere Pacman-Nebel, weshalb er wohl auch den Spitznamen Cassiopeias Geist bekommen hat. Weiter darunter beim Stern Ruchbah ist der Offene Sternhaufen NGC 457 zu erkennen, der auch als Eulenhaufen bekannt ist. Er besitzt eine Helligkeit von 6,4 mag und gehört damit zu den hellsten offenen Sternenhaufen, die nicht im Messier-Katalog aufgeführt sind. Er wurde natürlich von Wilhelm Herschel im Jahr 1787 entdeckt. Beim Stern Caph ist ein weiterer offener Sternhaufen mit NGC 7789 erkennbar. Er besitzt den Namen Herschels Spiralhaufen, was aber ausnahmsweise nicht auf Wilhelm Herschel, sondern auf seine Schwester Caroline zurückzuführen ist, die ihn im Jahr 1783 entdeckte. Ein weiterer schwacher Emissionsnebel ist Sh2-173, den man drei Grad links neben Caph erahnen kann. Aufgrund seiner Lichtschwäche wird er auch Phantom des Opernnebels bezeichnet. Er wird auf ein Alter von 600.000 bis 1 Mio. Jahre geschätzt und expandiert mit einer Geschwindigkeit von 16 km/s. Ein weiterer kleiner Emissionsnebel ist mit Sh2-168 oben mittig am Bildrand zu sehen. Er besitzt einen Durchmesser von 9,5 Lichtjahren und ist ebenfalls relativ lichtschwach. Links oben ist der letzte Emissionsnebel des Bildes zu erkennen, der es nicht mehr ganz auf das Bild geschafft hat und auf den Umgangsnamen Fragezeichennebel hört. Er besteht aus den beiden Sharpless-Objekten Sh2-170 und Sh2-171. Sh2-171 ist die Geburtsstätte vieler junger Sterne und enthält den Sternhaufen Berkeley 59. Er besitzt eine enorme Größe am Himmel, mit einem Durchmesser von 100 Lichtjahren, weshalb er ebenfalls ein sehr lichtschwaches Objekt ist.

Bei der Aufnahme haben sich alle Neuerungen des Reise-Equipments rentiert. Die Nachführung funktionierte mit dem Autoguiding ohne Probleme. Durch die astromodifizierte Kamera kamen zudem die Emissions- und Reflektionsnebel besser heraus, was ebenfalls an dem Schmalbandfilter lag. Aufgrund des besseren Rauschverhaltens der APC-S-Kamera, gegenüber älteren Modellen, konnte hier sogar mit 3.200 ASA belichtet werden. Auch waren die neuen Akkulaufzeiten von mehr als vier Stunden sehr erfreulich. Das neue Objektiv hat sich ebenso bei Sternaufnahmen bewährt und zeigte keinerlei Verzerrungen. Von daher konnte auch im Urlaub erfolgreich Astrofotografie betrieben und neue Anregungen für zukünftige Detailaufnahmen gesammelt werden.

Aufnahmedaten:
Teleskop: Canon Zoomobjektiv EF 24-70mm F2.8L II USM
Montierung: Stativ mit AstroTrac TT320X-AG
Brennweite: 70 mmm
Öffnungsverhältnis: 1/4
Kamera: Canon 90Da (modifiziert)
ISO: 3.200 ASA
Filter: Optolong Clip-Filter L-eNhance Schmalband Nebelfilter
Aufnahmedaten: 18 x 3 min (15 Darkframes)
Aufnahmeort: Feriolo, Baveno (Italien)

© Foto und Text: Dr. Kai-Oliver Detken (AVL)

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