11. Norddeutsche Tagung der Planetenfotografen (NTP) in Bremervörde stand im Zeichen des neuen Tools LuckyStackWorker
  • 11. Norddeutsche Tagung der Planetenfotografen (NTP) in Bremervörde stand im Zeichen des neuen Tools LuckyStackWorker

Die Norddeutsche Tagung der Planetenfotografen (NTP) ist eine renommierte, überregionale Fachveranstaltung für Amateurastronomen und Astrofotografen. Sie richtet sich an alle Interessierten – vom Anfänger bis zum Profi –, die sich mit Aufnahmetechniken und der Bildbearbeitung von Mond-, Sonnen- und Planetenvideos beschäftigen. Auch dieses Jahr gab es am 04. Juli wieder eine interessante Vortragsreihe. Schwerpunkt war das Tool LuckyStackWorker von Wilco Kasteleijn, der neben einem Vortrag auch einen Workshop mit anbot.

Wilco Kasteleijn fing auch gleich mit dem ersten Vortrag an, nachdem Dr. Michael Schröder wie immer in den Tag einleitete, denn seine Firma stellte einmal mehr die Tagungsräume und er übernahm die Organisation mit seinen Mitstreitern Torsten Lietz (AVL) und Maciej Libert (VdS-Fachgruppenleiter Planeten). Der niederländische Software-Ingenieur Wilco Kasteleijn, der seinen Vortrag auf Englisch hielt, berichtete über seine Leidenschaft der Planetenfotografie, der er mit seinem Dobson-Teleskop selbst nachgeht. Dabei störte ihn immer, dass die anschließende Bildverarbeitung relativ komplex war und diverse Tools zum Einsatz kamen, wie z.B. Registax, Fitswork, WinJUPOS und Adobe-Photoshop. Daher entwickelte er selbst eine Software namens LuckyStackWorker, um die gesamte Bildverarbeitung mit einem Tool abdecken zu können. Im anschließenden Workshop wurde das Gehörte mit dem eigenen Laptop gleich ausprobiert. Dabei gab Wilco Kasteleijn einen klaren Ablauf vor und half mit wo er konnte. Außerdem stellte er eigene Jupiterbilder (monochrom/farbig) in hoher Qualität und Auflösung den Teilnehmern zum Ausprobieren zur Verfügung.

Nach diesen ersten beiden sehr interessanten Sitzungen, berichtete Jörg Mosch nach der Pause über seine Jupiterbeobachtungen der letzten 55 Jahre. Dabei faszinierte ihn speziell der Große Rote Fleck (GRF), der 1664 vom englischen Universalgelehrten Robert Hooke zum ersten Mal entdeckt wurde. Jörg Mosch beobachtet den Jupiter seit dem Jahr 1967 mitunterschiedlichen Geräten. Einen ersten Artikel über seine Jupiterbeobachtungen konnte Jörg Mosch in „Astronomie und Raumfahrt“ im Jahr 1972 platzieren. Der GRF war damals wesentlich größer und länger als heute, wie er meinte. Nach dem Aufkommen der Webcams musste man sich 1999 allerdings auch die Frage stellen, ob die visuelle Positionsbestimmung überhaupt noch zeitgemäß war. Die WinJUPOS-Entwickler machten dem Referenten aber klar, dass langjährige Beobachtungsreihen durchaus wertvoll sind. So sind inzwischen 2.915 Messungen aus 55 Jahren und ca. 1.000 GRF-Transits von Jörg Mosch erfasst worden und in der Datenbank von WinJUPOS enthalten.

Im Anschluss an den Jupiter-Vortrag nahm uns Robert Reitsam mit nach Marokko und den besten Plätzen der Welt, auf denen man hochauflösende Planetenaufnahmen erstellen kann. Die dreimonatige Reise führte ihn ergebnisoffen über Italien, Frankreich, Spanien nach Marokko. In Marokko erhielt er eine mehrwöchige Einladung auf das Observatorium der Cadi Ayyad Universität, die die Nutzung der OUCA-Infrastruktur erlaubte. Das Projekt DAHRIM (Development of Advanced High Resolution Imaging Methods) wurde auf Anregung des Professors Zouhair Benkhaldoun (OUCA-Leiter) während seines Aufenthalts aufgesetzt, um eine Methodik für die Planetenbeobachtung zu entwickeln. Es wurden bei seinem Aufenthalt über eine halbe Milliarde Planetenbilder gemacht (viele Terabytes), von denen er leider viel zu wenig zeigte.

Danach berichtete Astro-Urgestein Bernd Gährken über Rotationslichtwechsel bei Planeten und Monden, die er mithilfe eines Smartteleskops untersucht hat. So wurde der Kleinplanet 433-Eros am offenen Sternhaufen NGC 1817 am 6. und 7. März 2026 aufgenommen. Eros hat einen extremen Rotationslichtwechsel, der in der Strichspur der ersten Nacht gut zu sehen war. Der Vortrag untersuchte dieses Mal aber nicht unregelmäßige Kleinkörper, sondern die großen, runden Körper des Planetensystems. Auch dort gibt es Rotationslichtwechsel, z.B. bei den zwei unterschiedlich hellen Seiten des Planeten Mars. Einen Rotationslichtwechsel zeigt auch Pluto, was bereits seit 1994 bekannt ist. Über die Rotationslichtkurven ist es nicht nur möglich unterschiedliche Helligkeiten auf der Oberfläche nachzuweisen, sondern auch unterschiedliche Farben!

Zum Tagungsausklang wurde es dann noch einmal lebhaft. Denn Joerg Klass berichtete über sein Sonne-Mond-Transit-Prädiktor-Projekt. Die Software ist noch ganz neu und wurde zum ersten Mal auf der NTP-Tagung als absolute Neuerung vorgestellt. Damit lassen sich nun Flugzeugtransits vor der Sonne oder dem Mond für jeden Standort exakt vorhersagen, ähnlich wie dies bereits mit ISS-Transits ermöglicht wird. Der Dienst ist push-basiert, so dass man automatisch eine Nachricht auf sein Smartphone erhält, wenn am eigenen Standort ein solcher Transit passiert. Innerhalb von ca. 50 Tagen wurde die Software getestet und 11.651 Flugzeuge gemessen, 167 Transits bestätigt, eine 6,6min-Vorwarnzeit erreicht und damit eine 20% Auslöse-Ausbeute erzielt.

Einen ausführlicheren Bericht wird es in der HiPo-Ausgabe 88 geben.

Text: Dr. Kai-Oliver Detken
Bilder: Maciej Libert, Martina Hanke, Dr. Kai-Oliver Detken

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