NTP-Planetentagung in Bremervörde mit internationalem Fachreferenten

Die Norddeutsche Tagung der Planetenfotografen, kurz NTP (www.norddeutsche-tagung-der-planetenfotografen.de), fand wie bereits im Vorjahr erneut im Januar statt und erfreute sich einer regen Beteiligung. Da der Tagungsraum bei der D. Schröder KG in Bremervörde eine begrenzte Anzahl von Astrofotografen zuließ, musste die Teilnehmerzahl auf 40 begrenzt werden. Dabei gab es durchaus ein noch viel größeres Interesse an der Tagung, da der britische Experte Damian Peach aus Großbritannien angereist war, um über seine 30jährige Erfahrung bei Planetenaufnahmen zu berichten. Zusätzlich erläuterte Dr. Michael Theusner wie man mit Amateurmitteln den Nachweis von Exoplaneten erbringen kann. Grund genug also für die AVL der Kleinstadt Bremervörde auch in diesem Jahr einen Besuch abzustatten.

Bei der Einführung des Firmeninhabers Dr. Michael Schröder wurde dann auch bestätigt, dass die Teilnehmerzahl von 40 Planetenfotografen erreicht wurde und die Veranstaltung binnen kürzester Zeit ausgebucht war. Themenschwerpunkt in diesem Jahr war ein Workshop über die Bildgewinnung und -bearbeitung von Planetenaufnahmen, die durch den internationalen Experten Damian Peach (www.damianpeach.com) durchgeführt wurde. Vorab fand eine gegenseitige Vorstellungsrunde statt, die auch einige neue Gesichter zutage brachte. Aber auch viele Wiederholungstäter waren mit von der Partie. Herausheben konnte man dabei den Entwickler Torsten Edelmann von FireCapture (www.firecapture.de), den Erfinder der Astronomik-Filter Gert Neumann (www.gerdneumann.net) und Michael Schomann vom Vorstand der Vereinigung der Sternfreunde e.V. (www.vds-astro.de). Ein Mitarbeiter von Teleskop-Service Ransburg (www.teleskop-express.de) hatte ebenfalls den weiten Weg aus Süddeutschland auf sich genommen, um sich über den neusten Stand in Sachen Planetenaufnahme und -bearbeitung zu informieren.

In seinem Einführungsvortrag ging Damian Peach erst einmal auf die Teleskoptechnik, Seeing-Probleme und Auflösungsvermögen ein. Dabei war er der Meinung, dass es kein typisches Planetenteleskop gibt, sondern man durchaus mit jedem Gerät brauchbare Ergebnisse erzielen kann. Schmidt-Cassegrain-Teleskope werden zwar meistens dafür verwendet (auch von ihm), was aber hauptsächlich an dem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis liegt. In jedem Fall ist für gute Aufnahme die exakte Kollimation eines Teleskops ausschlaggebend, weshalb dies regelmäßig durchgeführt werden sollte. Auch für die Abkühlung sollte man sich Zeit lassen, da auch im Tubus Seeing entstehen kann. Die Fokussierung ist ebenfalls wichtig und sollte direkt am Objekt erfolgen. Ein Atmospheric Dispersion Corrector (ADC) führt ebenfalls zu besseren Bildern und ist unterhalb von einer Planetenhöhe von 60 Grad zu empfehlen. Zur Bildaufnahme wird von ihm FireCapture eingesetzt, wofür er Torsten Edelmann persönlich auf der Tagung dankte. Alle Aufnahmen werden anschließend mit WinJUPOS (www.jupos.privat.t-online.de) derotiert und mit AutoStakkert (www.autostakkert.com) zusammengesetzt. Der größte Feind einer Aufnahme bleibt aber das astronomische Seeing, weshalb er inzwischen nach Barbados mitsamt seinem C14-Teleskop reist. Dort entstanden seine besten Aufnahmen, wie er meinte. Diverse Video-Tutorials werden von ihm unter www.patreon.com/peachastro angeboten, die allerdings nicht kostenlos erhältlich sind.

Nach einer längeren Kommunikationspause, die auch mit einem herzhaften Mittagessen verbunden war, führte Damian Peach in einem Workshop in seine Bildverarbeitungsmethoden ein. Dabei sahen schon die Rohbilder besser aus, als manches Endergebnis anderer Planetenfotografen. Auch Mondaufnahmen wurden als Beispiele genommen, wenn auch der Schwerpunkt auf Mars und Jupiter lag. Nachdem die Bilder mit AutoStakkert3! gestackt und mit WinJUPOS derotiert wurden, findet die letzte Feinbearbeitung bei ihm mit der Bildverarbeitungssoftware Topaz (www.topazlabs.com/denoise-ai/) statt. Speziell das Schärfen und Entrauschen wird von dieser Lösung durch verwendete KI-Algorithmen sehr feinfühlig vorgenommen. So wird bei der Entrausch-Funktion, im Gegensatz zu Photoshop, die Schärfe gleichzeitig beibehalten. Speziell bei Planetenaufnahmen, wo es auf kleinste Details ankommt, eine sehr interessante Möglichkeit. Die Software wirbt sogar damit, dass sie JPEG-Bilder zu RAW-Aufnahmen umwandeln kann.

Abschließend stellte Damian Peach seine Planetenaufnahmen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor. Er fing bereits 1988 mit diesem Hobby an und nahm Planeten damals auf Analogfilm auf. Erst die Webcam von Philipps im Jahr 2003 ermöglichte mit Videoaufnahmen wesentlich bessere Ergebnisse. Nachdem die Kameras immer wieder ausgetauscht wurden, hat er nun das Optimum mit seiner Öffnung von 40 cm am Teleskop erreicht. Daher kann nur noch eine Verbesserung erreicht werden, indem man auf 45-70 cm Öffnung wechselt. Dafür wird aber auch eine andere Himmelsqualität benötigt, weshalb er auf Remote-Teleskope, wie das Chilescope (www.chilescope.com) in Chile, ausweicht. Auf seiner Webseite kann man seine Entwicklung sehr schön nachverfolgen, was auch Mut machte für die eigenen Aufnahmen.

Als zweiter Referent kam Dr. Michael Theusner zum Thema Exoplaneten zu Wort. Exoplaneten befinden sich bekannterweise außerhalb unseres Sonnensystems und wurden 1995 zum ersten Mal offiziell nachgewiesen. Inzwischen hat man über 4.000 Exoplaneten entdeckt. Als Detektionsmethoden gibt es verschiedene Möglichkeiten: Studie der Eigenbewegung, Transitmethode, direkte Fotografie oder Verschiebung der Spektrallinien. Für den Amateurastronomen ist dabei die Transitmethode eine machbare Variante, um selbst Exoplaneten nachweisen zu können, da hiermit quasi eine Sternfinsternis erkannt wird. Die Abnahme der Helligkeit beläuft sich dabei auf 0,01 mag. Eine eigene Messung wurde vom Referenten anhand des Exoplaneten HD189733 vorgenommen. Dafür verwendet er die Transitvorhersage der Exoplanet Transit Database (www.var2.astro.cz/ETD/predictions.php). Die Auswerte-Software AstroImageJ (www.astro.louisville.edu/software/astroimagej/), die auch die Profi-Astronomen verwenden, kann anschließend kostenlos genutzt werden. So ist man gut gerüstet, um Planeten in Neptungröße selbst entdecken zu können.

Obwohl es dieses Mal nur zwei Referenten auf der Planetentagung gab, verging die Zeit wie im Flug. Aufgrund des großen Interesses wird man daher auch im kommenden Jahr einen weiteren Termin anbieten, der wahrscheinlich im Januar stattfinden wird. Inzwischen hat sich die Norddeutsche Tagung der Planetenfotografen (NTP) auch zu einem der größten und wichtigsten Treffen in Deutschland herauskristallisiert, weshalb die Veranstalter und Teilnehmer sich bei der Fortsetzung einige waren.

Text: Dr. Kai-Oliver Detken
Bild: Jürgen Ruddek, Torsten Lietz, Dr. Kai-Oliver Detken

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