Beispiel: Saturn

Bis zum Jahre 1781, in dem Wilhelm Herschel mit einem selbstgebauten Fernrohr den Planeten Uranus entdeckte, galt der Saturn als letzter Planet des Sonnensystems.
Nach der Erfindung des Fernrohres erkannte man, dass er sich nicht als runde Scheibe abbildete. Er wurde oft als "henkelartiges" Gebilde wiedergegeben.

Erst die optisch qualitativ besseren Fernrohre des 18. Jahrhunderts zeigten Einzelheiten der Ringe, wie z. B. ihre Teilung, und ließen Spekulationen über die Morphologie des Ringsystems zu.

J.G. Schrader und J.H. Schroeter benutzten Saturnbeobachtungen zur Beurteilung der optischen Leistungsfähigkeit der von ihnen geschliffenen Teleskopspiegel. Die Beobachtung von insgesamt sieben Saturnmonden bis zur 13. Größenklasse durch J.H. Schroeter und K.L. Harding sind ein eindrucksvoller Beweis für die Güte ihrer Instrumente.

Schroeter bestimmte die Rotationszeit des Planeten, seinen Durchmesser, die Abmessungen des Ringsystems sowie die Umlaufzeiten einiger Saturnmonde. Karl-Ludwig Harding fand "Knoten" in der Ringebene des Saturn, was Schroeter veranlaßte, sie als "Harding'sche Gebirge" zu bezeichnen.

Während der Beobachtung von Saturnmonden konnten Harding und Schroeter im Februar 1797 auch einige Monde des Planeten Uranus, der damals auch noch "fidus Georgium" genannt wurde, auffinden (Tab VI /Fig. 1 bis 3)

Beobachtungszeiten:

Juni 1789 bis Februar 1804

Beobachtungsinstrumente (1 Fuß ≈ 30 cm Brennweite):

  • 7- und 13-füßige Newton-Reflektoren von Schrader/Schroeter

  • 27-füßiger Newton-Reflektor von Schroeter

Mitbeobachter von J.H. Schroeter:

aus Kiel: J.G. Schrader
aus Lilienthal: Karl- Ludwig Harding

Saturn
Saturn

Beobachtungsergebnisse: 

  • Ring und Planet haben keine Verbindung miteinander - der Zwischenraum ist leer

  • der Ring liegt in der Äquatorebene des Planeten

  • der Ring hat unterschiedliche Dicken mit eingelagerten Knoten

  • die Knoten sind selbst bei der Kantenlage des Ringes noch zu erkennen

  • der Ring wirft einen Schatten auf den Planeten

  • der Ring ist geteilt und hat ein unterschiedliches Reflexionsverhalten

  • die Saturnatmosphäre ähnelt der des Planeten Jupiter

  • Saturn hat parallele Wolkenstreifen mit eingelagerten Flecken

Schlussfolgerungen:

  • der Ring besteht aus kleinen und großen Materiebruchstücken

  • die "chaotische" Ringmaterie wird durch Anziehungskräfte des Saturn zusammengehalten

  • aus der Ringmaterie hätten Monde werden können

H.J. Leue

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