Astrofotografie - ein Rückblick

Astrofotografie - ein Rückblick

Seit es die Möglichkeit gibt, Bilder auf lichtempfindliche Platten zu bannen, wird sie von Astronomen angewandt. Bereits 1840 wurde die erste Aufnahme des Mondes gewonnen. Schon 1843 folgten das erste Spektrogramm der Sonne und in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts bereits die ersten Sternfotos. 1880 kam es zur ersten Milchstraßenaufnahme und 1884 wurde als erster Gasnebel der Orionnebel aufgenommen. Die Vorteile dieser neuen Technik liegen auf der Hand. Die gewonnenen Aufnahmen können über lange Zeit konserviert und nach Bedarf ausgewertet werden. Vor allem aber die Tatsache, dass es jetzt möglich war, über lange Zeit schwächste Lichtquanten zu sammeln und damit zu ungeahnten Tiefen des Kosmos vorzudringen, machten und machen diese Technik zu einem der wertvollsten Neuerungen der Astronomie.

Der Siegeszug der Astrofotografie war nicht aufzuhalten. Kein Bereich der Profiastronomie ist heute ohne die Fotografie denkbar. Nachdem die grundlegenden Erkenntnisse der Kosmologie nach dem Beginn der Neuzeit vollzogen waren, waren es ausschließlich die Astrofotografie und die Spektroskopie, die die großräumigen Strukturen des Kosmos erkennen ließen.

Astrofotografie für Amateure

Der Einzug der Astrofotografie in den Amateurbereich geschah in den 1950er Jahren. Es war ein aufwendiges Unterfangen für uns Amateure, Aufnahmen des nächtlichen Himmels zu gewinnen. Nicht selten waren es aber Amateure wie wir, die erste Entdeckungen von Kleinplaneten, Kometen oder gar Supernovae in fernen Galaxien machten – etwas, was sich bis heute übrigens nicht verändert hat.

Besonders die Deep-Sky-Fotografie verlangte uns einiges ab. Belichtungszeiten von bis zu einer Stunde waren notwendig, um wirklich tiefe Aufnahmen unserer kosmischen Umgebung zu erhalten. Bei größeren Brennweiten musste dabei die Nachführung entgegen der Erddrehung am Leitrohr kontrolliert werden – eine “sportliche Angelegenheit“, die höchste Konzentration forderte. Wenn dann nach Wochen der Film wenigstens halb voll war, konnte man ihn zum Entwickeln geben und die Ergebnisse begutachten. Nicht selten kamen erst jetzt die Schwächen, wie Unschärfe, Streulicht oder mangelnde Nachführgenauigkeit zum Vorschein. Dennoch, mit Geduld und Erfahrung gelangen dabei beeindruckende Einblicke in den Kosmos, aufgenommen von uns Amateuren selbst.

Die digitale Revolution

Die Profis arbeiteten bereits seit den 1980er Jahren mit digitaler Astrofotografie. Für uns Amateure war die Digitalfotografie Ende der 90er Jahre zugänglich. Monochrome CCD-Kameras waren und sind dabei außerordentlich teuer. So waren diese Techniken zunächst nur den besonders ambitionierten Sternfreunden vorbehalten. Die kompakten digitalen Kameras im so genannten Konsumerbereich eröffneten die ersten preiswerten Möglichkeiten für Astrofotografen, Himmels-Aufnahmen zu gewinnen.

Im Bereich der Planetenfotografie war es die einfache Webcam, die eine Bildqualität ermöglichte, die selbst bei Profis vor nicht langer Zeit als sensationell erschienen wäre. Dazu werden kurze Filme aufgenommen, die mit geeigneten Programmen in Einzelbilder zerlegt werden und anschließend zu einem gemittelten Summenbild überlagert werden.
Der eigentliche Durchbruch der digitalen Fotografie im Deep-Sky-Bereich für praktisch jeden war die Markteinführung der digitalen Spiegelreflex-Kameras (DSLR). Auch diese waren zunächst noch recht teuer, wurden aber schon bald für Preise deutlich unter 1000,-€ angeboten. Bis heute bilden diese DSLR Kameras einen denkbar Erfolg versprechenden Einstieg in die Fotografie von Sternhaufen, Gasnebel und Galaxien. Und man kann heute ohne Übertreibung sagen, dass die Möglichkeiten der digitalen Foto-Techniken der chemischen Astrofotografie um ein Vielfaches überlegen sind.

Gerald Willems 

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